Krankenhaus-Barometer : Kliniken befürchten Pflegenotstand

Den Krankenhäusern in Deutschland geht es schlecht. Ein Drittel schreibt Verluste, mehr als 150.000 Arbeitsplätze wurden in den letzten zehn Jahren abgebaut.

BerlinDie Krankenhäuser beklagen eine dramatische Verschlechterung ihrer Einnahmesituation und warnen vor einem Pflegenotstand. "Die Belastungen für die Kliniken sind nicht mehr zu verkraften. Ein Drittel der Krankenhäuser schreibt bereits Verluste", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum bei der Vorstellung des "Krankenhaus Barometers 2007". Das Bundesgesundheitsministerium warnte vor Panikmache. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund nannte das Barometer "ein Dokument des eigenen Versagens".

Baum beklagte, in den letzten zehn Jahren seien mehr als 150.000 Arbeitsplätze im Krankenhaus, insbesondere in der Pflege, abgebaut worden. "Die 17 Millionen Patienten merken dies längst am Krankenbett. Weitere Stellenkürzungen gehen zwangsläufig zu Lasten der Zuwendung", sagte Baum weiter.

Tariferhöhungen, Mehrwertsteuer, Energie

Die Ursachen liegen laut DKG im Wesentlichen in Kostensteigerungen, wie den Tariferhöhungen für Klinikärzte, der Mehrwertsteuererhöhung, Energiekostensteigerungen sowie Mehrkosten durch das neue Arbeitszeitgesetz. Allein die Tariferhöhungen für die Klinikärzte summierten sich jährlich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Das entspreche etwa 15 Prozent der gesamten Personalkosten des ärztlichen Dienstes.

Insgesamt rechneten für dieses Jahr nur noch 38 Prozent der Kliniken mit Überschüssen, 2006 seien es noch 55 Prozent gewesen. Bei den Aussichten für 2008 erwarten 42 Prozent der Krankenhäuser den Angaben zufolge nochmals eine schlechtere wirtschaftliche Situation als 2007.

Das Bundesgesundheitsministerium wollte die Lageeinschätzung so nicht nachvollziehen. Ministeriumssprecher Klaus Vater sagte in Berlin, die Krankenhäuser hätten zwischen 2002 und 2006 rund vier Milliarden Euro bekommen. "Das ist eine Menge Geld", sagte Vater. Zwischen 1993 und 2006 sei die Zahl der Klinikärzte von 95.000 auf rund 130.000 erhöht worden. Allerdings sei die Zahl der Pflegekräfte um 30.000 reduziert worden.

40 Prozent der Krankenhäuser würden in diesem Jahr Überschüsse erwirtschaften. Ein weiterer, nicht unbeträchtlicher Prozentsatz befinde sich auf dem Weg in die Gewinnzone. Es gebe aber auch Kliniken, für die sich die Umstellung schwierig gestalte. Insgesamt sehe er die von der DKG beschriebene Dramatik der Entwicklung nicht, sagte Vater.

"Arbeitgeberpropaganda"

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) kritisierte die vorgestellten Zahlen ebenfalls scharf: Die Klinikarbeitgeber hätten es versäumt, gesetzliche und tarifliche Möglichkeiten zum Wohl der Häuser und des Personals umzusetzen, sagte der Vorsitzende des Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery.

Angebliche Tarifsteigerungen für Klinikärzte in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bezeichnete die Ärztegewerkschaft als "pure Arbeitgeberpropaganda". Wahr sei, dass Klinikärzte mit jährlich 56,6 Millionen unvergüteten Überstunden im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro die stationäre Versorgung in Deutschland subventionierten.

Die Umfrage 2007 beruht auf Angaben von 304 Allgemeinkrankenhäusern von April bis Juni 2007. (mit ddp)