Der Tagesspiegel : Kreativität kennt keine Grenzen

Bei der „Nacht der Talente“ zeigen Berliner Schüler, welche Spitzenleistungen sie bringen können

Dorothee Schmidt

„Das hat mein Leben komplett verändert“, sagt Hao Nguyen. Der 17-Jährige steht auf der Bühne der dritten „Nacht der Talente“ und erzählt vom „Start“- Stipendienprogramm und dass er dadurch neue Leute kennen gelernt habe: „Herrn Böger“ – etwa. Er hat die Lacher auf seiner Seite, denn Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ist Gastgeber der „Nacht der Talente“ und sitzt im Publikum.

Am Montagabend hatte der Bildungssenator die begabtesten, kreativsten und engagiertesten Berliner Schüler in die Mercedes-Welt am Salzufer geladen. Mit der „Nacht der Talente“ sollen sie für ihre Leistungen geehrt werden. „Wir wollen den Schülern die Gelegenheit geben, einander kennen zu lernen, sich auszutauschen und der Öffentlichkeit zu zeigen, was sie können“, sagte Klaus Böger.

Zwar wurden auch die besten Abiturienten ausgezeichnet, aber nicht nur hervorragende Noten machen ein Berliner „Talent“ aus. Eine Tanzgruppe der Schule am Bienwaldring, eines sonderpädagogischen Förderzentrums in Neukölln, interpretierte auf der Bühne Carl Orffs Carmina Burana. Laura Seelig, Landessiegerin bei „Jugend musiziert“ in der neuen Kategorie „Vocal Rock Pop“, sang eindrucksvoll ihren Soulpop. Nils Velte, ebenfalls Landessieger im Wettbewerb, legt auf der Bühne ein Schlagzeug-Solo hin. Die Realschüler der Friedrichshainer Georg-Weerth-Oberschule zeigen in einem sehr professionellen Film, wie es ihnen gelingt, dass 98 Prozent der dortigen Schüler die Schule mit einem Ausbildungsplatz oder mit der Zulassung in eine weiterführende Schule verlassen.

Etwa 550 Oberschüler waren bei 66 regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben erfolgreich. Nicht alle konnte Schulsenator Böger auf die Bühne bitten, aber ihre Namen erschienen auf einer großen Leinwand. Berliner „Talente“ gründeten zum Beispiel Schülerfirmen, bauten einen Heißluftballon und entwickelten einen digitalen Adventskalender und entsandten eine Delegation ins europäische Jugendparlament.

Was die Schüler nicht-deutscher Herkunft vorstellten, war ein Lehrstück gelebter Integration und Bildungswillens. Artem Yurchenko aus der 11. Klasse der Carl-von-Ossietzky-Oberschule erklärte mit einer Präsentation, was er an seiner Schule schätzt. Die in St. Petersburg aufgewachsene Manga-Zeichnerin Margarita Till, die den Manga-Nachwuchswettbewerb der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, verkündete, nach dem Abitur werde sie ihre Geschichte „Mohnblüten“ aufzeichnen, die sechs Taschenbücher füllen wird. Ob ihr Traum, beim berühmten Manga-Studio Ghibli in Japan zu arbeiten, in Erfüllung geht, „steht noch nicht fest“. Japanisch lernt sie schon in der Gustav-Heinemann-Gesamtschule.

Die beiden Stipendiaten des „Start“-Programms, das herausragende Schüler mit Migrationshintergrund fördert, erzählten, wie sie ihre vielen Aktivitäten koordinieren. Zeynep Aktürk engagiert sich im Stolpersteine-Projekt und gibt Schwimmunterricht. Hao Nguyen spielt Basketball und ist Chorleiter in der Kirchengemeinde. Und trotzdem hat er noch Zeit, „Herrn Böger“ kennen zu lernen.

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