Kreuzweise deutsch : Well done, ihr Brandenburger!

Michael Jürgs
Michael Juergs HP Kontur

Beerdigungen sind selten Anlass zur Freude. Was in der Natur solcher Veranstaltungen liegt. Ausnahmen von diesem Tabubruch finden nur diesseits von Friedhöfen statt. Wenn etwa eine deutsche Mauer fällt und ein System beerdigt wird, freuen sich darüber Millionen in Ost und West, doch wenn 30 Prozent aller Wahl berechtigten Bürger der Demokratie ein Kreuz errichten statt ihr eines auf den Weg zu geben, grunzen darob befriedigt nur jene Metzger, die sie immer schon mal schlachten wollten. Diesseits der ihre Wunden leckenden SPD haben Demokraten seit einer bestimmten Totenfeier vom Sonntag einen ungeteilten Anlass zur Freude. Die per Stimmzettel angezettelte Beerdigung der rechtsradikalen Dumpfbacken in Brandenburg ist ein solcher Anlass. Zehn Jahre verpesteten sie die Luft im Potsdamer Landtag, nun ist sie wieder rein, denn die sind raus.

Well done, ihr Brandenburger.

Politische Totengräber, die mit kluger Taktik und ausgeklügelter Strategie den Neonazis die Gräber schaufelten, sind von links bis rechts alle demokratischen Kräfte, vertreten durch den Brandenburger Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg und die Richter des Landes, den scheidenden CDU-Innenminister Jörg Schönbohm und die Polizei, aber vor allem durch Tausende von unbekannten Zivilcouragierten, die immer, wenn Rechtsextreme aufmarschierten, mit einer kopfstarken Gegendemo reagierten.

Rautenberg setzte durch, dass bei Gewalttaten von Rechtsradikalen, von denen es in Brandenburg mehr gab als woanders, die ganze Härte der Strafgesetze ausgeschöpft wurde. Die Urteile wirkten abschreckend. Die Zahl der Überfälle ging um die Hälfte zurück. Schönbohm stellte eine Truppe zusammen, intern Abteilung Angst und Schrecken genannt, die allein durch ihre Präsenz starken Eindruck machte und bei Bedarf nicht davor zurückschreckte, tatkräftig Angst unter Schlägern zu verbreiten. Normale Bürger, stellvertretend seien die von Halbe genannt, demonstrierten Zivilcourage, und befreiten aufrechten Gangs ihre Stadt von den braunen Horden und machten damit vielen anderen Gemeinden Mut. Für Entwarnung ist es zwar zu früh. Nette Nazis von nebenan sind bei der NPD untergekrochen. Die spielt zwar in Brandenburg auch keine Rolle mehr, muss aber, z. B. in der Sächsischen Schweiz, gleichfalls beerdigt werden. Das gäbe einen freudigen Anlass für eine weitere demokratische Totenfeier.

Michael Jürgs und Angela Elis mokieren sich im Wechsel über Ost und West. Ihre bisherigen Kolumnen sind unter dem Titel „Kreuzweise deutsch“ als Taschenbuch im Aufbau-Verlag erschienen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar