Kriegsverbrechen : Abschiebung Demjanjuks ist schon Montag möglich

Nachdem sein Antrag auf Abschiebestopp vom Obersten US-Gericht abgelehnt worden ist, ist eine Abschiebung des mutmaßlichen NS- Verbrechers John Demjanjuk bereits am Montag möglich. Seine Anwälte werden keine weiteren Schritte gegen seine Ausreise unternehmen.

WashingtonUS-Beamte überbrachten Demjanjuk am Freitagnachmittag einen Vollstreckungsbefehl mit der Aufforderung, sich der Immigrationsbehörde in Cleveland (Ohio) für eine Abschiebung nach Deutschland zu stellen. Der 89-Jährige lebt derzeit in Seven Hills, einem Vorort der Stadt.

Laut der Zeitung Cleveland Plain Dealer wird erwartet, dass Demjanjuk der Aufforderung  innerhalb "weniger Tage" nachkommen wird und dann sofort nach Deutschland ausgeflogen werde.

Keine weiteren Schritte gegen die Abschiebung

Nach dem Bericht der Zeitung hat sein amerikanischer Anwalt John Broadley das US-Justizministerium inzwischen darüber informiert, dass er keine weiteren gerichtlichen Schritte in den USA zur Verhinderung der Abschiebung unternehmen werde. Demjanjuk hatte jahrzehntelang gegen seine Auslieferung nach Deutschland gekämpft.

Richter John Paul Stevens vom Obersten Gerichtshof der USA hatte am Donnerstag einen Antrag Demjanjuks auf einen Abschiebestopp abgelehnt. Danach wäre noch eine Anrufung des Supreme Courts möglich gewesen, aber offensichtlich räumte Broadley einem solchen Schritt keine Chance mehr ein.

Auch ein Eilantrag Demjanjuks beim Berliner Verwaltungsgericht war in der vergangenen Woche gescheitert. Seine Anwälte hatten angeführt, dass eine Abschiebung einer Folter gleichkäme, da ihr Mandant schwer krank sei.

Sollte die US-Seite die Abschiebung einleiten, gilt es nunmehr als praktisch ausgeschlossen, dass das Ausreiseverfahren noch gestoppt werde oder Demjanjuk wieder in die USA zurückgeschickt wird, da sich Deutschland bereits zur Aufnahme bereiterklärt hat.

Bereits 7 Jahre Haft in Israel

Demjanjuk wird vorgeworfen, während des Zweiten Weltkrieges als 23-jähriger Wachmann im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet zu haben. Im März hatte das Amtsgericht München Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Aufgrund seiner angeblichen Tätigkeit als grausamer Wachmann "Iwan der Schreckliche" im Vernichtungslager Treblinka war Demjanjuk bereits in Israel angeklagt und zum Tode verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof Israels sprach Demjanjuk nach siebenjähriger Haft 1993 jedoch frei, da seine Identität nicht einwandfrei geklärt werden konnte. (sh/dpa)