Kriegsverbrechen : US-Soldat ermordete behinderten Iraker

Es ist der erste Prozess um die Ermordung eines Irakers durch einen US-Soldaten. Das Opfer war behindert und hinterlässt elf Kinder.

WashingtonIm ersten Prozess um die Ermordung eines behinderten Vaters von elf Kindern im Irak ist in den USA ein US-Soldat schuldig gesprochen worden. Dem amerikanischen Marineinfanteristen droht nun eine lebenslange Haftstrafe. Die Beratungen über das Strafmaß sollten heute noch beginnen. Prozesse gegen zwei weitere Angeklagte stehen noch aus. Fünf ihrer Kameraden hatten schon vor Prozessbeginn durch Schuldeingeständnisse mildere Haftstrafen zwischen 12 Monaten und acht Jahren ausgehandelt.

Der 25-jährige Marineinfanterist Trent Thomas wurde von einem Militärgericht auf dem Stützpunkt Camp Pendleton in Kalifornien der Entführung und Verschwörung zum Mord schuldig befunden, wie Militärsprecher Sean Gibson bestätigte. Den US-Soldaten war vorgeworfen worden, im April 2006 den 54 Jahre alten gehbehinderten Hashem Ibrahim Awad in Hamdaniya aus seinem Haus gezerrt und erschossen zu haben. Dann legten sie der Anklage zufolge die Leiche zusammen mit einer Schaufel an den Straßenrand - um vorzutäuschen, es habe sich um einen Rebellen gehandelt, der gerade eine Straßenbombe legen wollte.

Getrübtes Urteilsvermögen?

Thomas war nach Überzeugung des Militärgerichts der Anführer bei der Verschleppung des Irakers. Er hatte sich zunächst ebenfalls schuldig bekannt, aber dann kurzfristig sein Geständnis widerrufen. Im Prozess argumentierte die Verteidigung, Thomas habe auf Anweisung eines Vorgesetzten gehandelt. Zudem sei sein Urteilsvermögen infolge von Gehirnschäden durch Explosionen eingeschränkt gewesen.

Unterdessen hat die US-Armee erneut zwei Soldaten wegen Mordes an einem Iraker angeklagt. Der Mord sei etwa am 23. Juni in der Umgebung der nordirakischen Stadt Kirkuk geschehen, berichtete das Militärkommando in Tikrit. Der Kommandeur der Einheit, Oberstleutnant Michael Browder, sei zwar nicht angeklagt, aber vom Dienst suspendiert worden, hieß es. (mit dpa)