Kriminalistenverband : Deutlich mehr gewaltsam getötete Kinder

Traurige Statistik: Die Zahl der durch Gewalt und Vernachlässigung getöteten Babys und Kleinkinder ist in Deutschland deutlich gestiegen. Experten bemängeln, dass sich zu wenig um überforderte junge Frauen gekümmert werde.

BerlinNach Angaben des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kamen im vergangenen Jahr 173 Jungen und Mädchen unter sechs Jahren gewaltsam ums Leben. In 20 Fällen gingen die Ermittler im Jahr 2007 von Mord aus, in 91 Fällen von Totschlag und in 62 Fällen von fahrlässiger Tötung, wie der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Bernd Carstensen sagte. Vor wenigen Jahren waren Schätzungen des Kinderhilfswerks Unicef von bundesweit rund 100 gewaltsam gestorbenen kleinen Kindern jährlich ausgegangen. In der offiziellen Kriminalstatistik werden Kindstötungen nicht extra ausgewiesen.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, äußerte die Befürchtung, dass im zu Ende gehenden Jahr die Zahl der Kindstötungen "erneut etwas zugenommen hat, was bei zurückgehenden Kinderzahlen prozentual eine weitere Steigerung sei." Als einen Grund nannte Hilgers, dass die zuständigen Behörden "nicht flächendeckend der augenscheinlichen Überforderung junger Frauen annehmen". Wenn die Mutter nicht mehr mit ihrer Situation zurechtkomme, entstehe häufig Verzweiflung und daraus könne auch eine psychische Erkrankung werden, die oft in Vernachlässigung und Gewalt gegen die Kinder ende.

Als positiv bewertet der BDK-Vize Carstensen die höhere Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung. "2007 wurden bundesweit über 1700 Ermittlungsverfahren wegen möglicher Kindesmisshandlungen bei der Polizei geführt, 200 Fälle mehr als im Jahr zuvor", sagte Carstensen. Die Mitbürger seien "sensibler geworden, schauen heute genauer hin und retten so wahrscheinlich Menschenleben". (mfa/ddp)