Kriminalität : Bombenbastler von Hennigsdorf gefasst

Die Einwohner der Kleinstadt können aufatmen: Ermittler haben den Bastler mehrerer Rohrbomben festgenommen, der Hennigsdorf wochenlang in Angst und Schrecken versetzt hat. Er sagt, er wollte es einfach mal richtig "knallen hören".

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Fahnder untersuchen am 2. Februar die Umgebung einer Parkbank in Hennigsdorf Foto: dpa
Fahnder untersuchen am 2. Februar die Umgebung einer Parkbank in HennigsdorfFoto: dpa

Mit seinen selbst gebastelten Rohrbomben versetzte Manuel T. Hennigsdorf am nordwestlichen Stadtrand von Berlin seit Ende Januar in Angst und Schrecken. Er wollte es einfach mal richtig „knallen hören“, wie er nach seiner Festnahme sagte. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft, das Amtsgericht Oranienburg erließ am Freitagnachmittag Haftbefehl.

Bereits am Donnerstagnachmittag schlugen die Fahnder zu und nahmen den 24-Jährigen in seiner Hennigsdorfer Wohnung fest. Dort fanden die Beamten diverse Utensilien zum Bombenbau. Manuel T. war gerade dabei, einen neuen Sprengkörper zu basteln, er gestand die Taten. Staatsanwaltin Lolita Lodenkämper nannte ihn schlicht einen „Pyromanen“. Ein politisches Motiv schließen die Ermittler jetzt aus. Weil dies aber zunächst nicht möglich war, hatte der Staatsschutz eine zehnköpfige Sonderkommission auf den Bombenleger angesetzt. Mehrere Beamte – zivil und in Uniform – beobachten die Gegend um den Bahnhof besonders nachts sehr intensiv. Jetzt stellte sich heraus, dass der 24-Jährige wie ein Junge mit dem Feuer spielte, ohne an die Folgen zu denken. Er sägte in seiner Wohnung dünne Metallrohre in zehn Zentimeter lange Stücke zurecht. Hinein stopfte er das von Unmengen von Wunderkerzen abgekratze Nitrat.

Explodieren ließ er die Bomben im Schutze der Dunkelheit an mehreren Orten in der 25000-Einwohner-Stadt. Zuerst gingen am 27. Januar Rohrbomben an zwei Stellen im Hennigsdorfer Bahnhof hoch, eine in einem Fahrstuhl und eine zweite bei einer Treppe zum Bahnsteig. Wände, Scheiben und der Fahrstuhl wurden schwer beschädigt. Der Verkehr der S-Bahn musste für mehrere Stunden unterbrochen werden. Später ließ T. im Stadtgebiet fünf weitere Sprengkörper explodieren. Dabei wurde eine Parkbank zerfetzt. Weitere Explosionen registrierte die Polizei am 31. Januar und am 2. Februar. Stets fanden die Ermittler auch Bomben, die nicht zündeten. Am Abend des 7. Februar meldeten Passanten den letzten Knall in einem Wald. Bekennerschreiben gab es nie.

Menschen kamen nicht zu Schaden – zum Glück, wie sich nun herausstellte. Im Bahnhof hatten sich Metallsplitter in die Betonwände gebohrt. Die Ermittler gehen davon aus, dass in einem Umkreis von 30 Metern erhebliche Verletzungsgefahr bestand.

Auf die Schliche kamen die Beamten dem 24-Jährigen, weil er Fingerabdrücke auf den nicht explodierten Bomben hinterlassen hatte. Beim Abgleich mit der Datenbank des Landeskriminalamtes (LKA) gab es einen Treffer. Die Spuren konnten T., der der Polizei wegen Sachbeschädigung und Diebstahls bekannt und nach Jugendrecht vorbestraft war, zugeordnet werden. Daneben wurden andere aktenbekannte Pyromanen in Hennigsdorf befragt. Daraus ergab sich die zweite Spur zu dem 24-Jährigen. Ihm droht jetzt für das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr. Bislang war er in einer berufsvorreitenden Maßnahme beschäftigt und wollte seinen Hauptschulabschluss nachholen.

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