Kriminalität : Sexualtäter weiter auf der Flucht

Berlin/Brandenburg/Havel - Die Polizei sucht weiter nach dem Sexualmörder Günther F., der am Freitag von einem genehmigten Ausgang nach Berlin nicht in die JVA Brandenburg/Havel zurückgekehrt war. Bislang seien 13 Hinweise eingegangen, darunter auch aus Berlin, hieß es. Eine konkrete Spur gab es noch nicht. Die Polizei, die bundesweit nach ihm fahndet, vermutet den 56-Jährigen in Berlin. Sie hält ihn, wie berichtet, für gefährlich.

Die Brandenburger Justiz verteidigt sich: „Es gab vorher keinerlei Anhaltspunkte, dass F. eine Flucht vorbereitet“, sagt Justizministeriumssprecher Thomas Melzer. „Er galt als berechenbar und zuverlässig.“ F. hatte bereits 168 Mal Ausgang ohne Begleitung aus der JVA Brandenburg – und war immer zurückgekehrt. Eine Befragung von Mithäftlingen hat laut Melzer inzwischen allerdings ergeben, dass F. sein Bettzeug für 10 Euro an einen anderen Gefangenen verkauft hat.

F. hatte am Freitag eine Selbsthilfegruppe zur Therapie seiner Alkoholabhängigkeit besucht. Seine Tage im Gefängnis waren gezählt: F. genoss seit einigen Jahren Hafterleichterungen im offenen Vollzug, aufgrund der bereits verbüßten langen Haft und den Folgen der deutschen Einigung: Er war 1987 wegen Mordes und Vergewaltigung – einer Beziehungstat an seiner Ex-Freundin – zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach der Wende wurde das Urteil wie üblich an bundesdeutsche Rechtsverhältnisse angepasst. Danach hat F. seine Strafe eigentlich schon seit 2004 verbüßt. Dass er nicht entlassen wurde, liegt laut Ministeriumssprecher Melzer an seiner Alkoholsucht: „Die Vollstreckungskammer wollte, dass dieses Problem erst gelöst wird.“

Wenn F. nun gefasst wird, müsste er wieder in den geschlossenen Vollzug. Diese Aussicht könnte ihn, so Melzer, unkalkulierbar machen. tabu/thm

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