Kriminalpolizei ermittelt : Russische Anwältin glaubt an Giftanschlag

Die russische Menschenrechtsaktivistin und Anwältin Karinna Moskalenko geht davon aus, dass sie vergiftet werden sollte. Sie stellte Strafanzeige und verzichtete auf den Flug nach Moskau, wo sie im Prozess der ermordeten Journalistin Politkowskaja aussagen sollte.

StraßburgIm Fall einer möglichen Vergiftung der russischen Menschenrechtsaktivistin und Anwältin Karinna Moskalenko hat die Straßburger Staatsanwaltschaft die Kriminalpolizei eingeschaltet. Diese solle klären, wie eine verdächtige Substanz in das Auto der Frau gelangt sei, teilte der stellvertretende Oberstaatsanwalt Claude Palpacuer am Mittwoch mit.

Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass es sich bei den kleinen Kügelchen "wahrscheinlich" um Quecksilber handele. Die Justiz warte nun die Ergebnisse weiterer Analysen ab. Diese sollten in einigen Tagen vorliegen.

Mehrere verdächtige Kügelchen entdeckt

Moskalenko sagte, sie fühle sich nach wie vor nicht gut, könne aber nicht sagen, um welche Krankheit es sich handele. Sie warte noch auf das Untersuchungsergebnis. Auch ihren Kindern im Alter von 16, drei und zwei Jahren gehe es nicht gut. Sie sollten nun ebenfalls untersucht werden.

Der Mann der Anwältin, die regelmäßig Russen und Tschetschenen mit ihren Klagen gegen Moskau vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte betreut, hatte am Montag am Boden ihres Autos mehrere verdächtige Kügelchen entdeckt, die an flüssiges Quecksilber erinnern. Daraufhin erstattete Moskalenko Strafanzeige gegen Unbekannt. Wegen ihrer Beschwerden verzichtete sie auf einen Flug nach Moskau, wo sie am Mittwoch an ersten Anhörungen im Prozess über den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja teilnehmen sollte.

Ehemaliger Schachweltmeister als Mandant

Moskalenko, die zu den bekanntesten Menschenrechtsanwälten in Russland gehört, hat eine Kanzlei in Straßburg. Zu den Mandanten der 53-Jährigen gehört unter anderen der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow. Er wirft Russland in einer Klage vor dem Straßburger Menschenrechtsgerichtshof Verstöße gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit vor. (mbo/AFP)