Kriminalstatistik : Hohe Zahl junger Gewalttäter in Brandenburg

Fast die Hälfte aller Gewaltdelikte wird in Brandenburg von jungen Menschen unter 21 Jahre begangen. Die Anzahl der registrierten Täter ist seit Jahren erstmals wieder gestiegen.

Susann Fischer[ddp]

Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an allen Verdächtigen bei Gewaltstraftaten sei 2007 erstmals seit Jahren gestiegen, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Wurden 2006 noch 46 Prozent aller Gewalttaten von unter 21-Jährigen verübt, waren es im vergangenen Jahr 47 Prozent. Von 6115 ermittelten Gewalttätern waren 2872 unter 21 Jahre. Diese Zahl sei "viel zu hoch", betonte der Minister.

Zugleich wies er darauf hin, dass unter 21-Jährige auch bei Rauschgiftdelikten, Sachbeschädigungen und Fahrrad-Diebstählen die Haupttätergruppe ausmachten. Allerdings habe die Jugendkriminalität 2007 entgegen dem Bundestrend insgesamt nicht zugenommen. Die Zahl aller Tatverdächtigen unter 21 Jahre sei um 1000 auf 23.100 gesunken. Unter den jungen Straftätern gibt es nach Angaben von Schönbohm rund 530 Serientäter.

Innenminister: Gewalt von jungen Ausländern kein Brandenburger Problem

Schönbohm sagte, Jugendkriminalität sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Brandenburg habe bereits vielfältige polizeiliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität ergriffen. So gebe es spezielle Kommissariate, die mit anderen staatlichen Stellen wie der Jugendgerichtshilfe, den Jugendämtern und den Jugendstaatsanwaltschaften kooperierten. Um die Zusammenarbeit weiter auszubauen, sollten diese Behörden künftig in einen elektronischen Datenaustausch treten.

Mit Blick auf die bundesweite Diskussion um junge ausländische Kriminelle sagte Schönbohm, dies sei kein Brandenburger Problem. Im Land liege der Anteil junge Ausländer an allen Straftätern unter 21 Jahre bei 3,3 Prozent.

Die Zahl der Straftaten insgesamt stieg laut Statistik im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent auf 226.466 registrierte Fälle. Die Häufigkeitszahl von Delikten pro 100.000 Einwohner erhöhte sich von 8700 auf knapp 8900. Die Aufklärungsquote ging um 1,2 Punkte auf 57,4 Prozent zurück. Die Quote liege damit noch immer über dem Bundesschnitt, sagte Schönbohm. Die Polizei ermittelte 84.266 Tatverdächtige. 2006 waren 84.967 Beschuldigte erfasst worden.

Diebstahl- und Rauschgiftdelikte rückläufig

Nach einem Rückgang in den vergangenen Jahren nahm 2007 die Gewaltkriminalität um 10,4 Prozent auf 5934 Delikte zu. Die Zahl der Sachbeschädigungen erhöhte sich um 7,3 Prozent auf 38.102. Bei den Delikten im Bereich der Wirtschaftskriminalität gab es einen Zuwachs um ein Fünftel auf 7939. Rückläufig waren dagegen Diebstahlsdelikte, Straftaten gegen das Asylgesetz sowie Rauschgiftdelikte. Allerdings stieg die Zahl der Drogentoten von sechs im Jahr 2006 auf zwölf im vergangenen Jahr.

Die Polizei werde auch 2008 alle Aufgaben bewältigen, zeigte sich Schönbohm überzeugt. In diesem Jahr werde die Kriminalpolizei umstrukturiert. Bei einer Evaluierung war der Abbau von mehr als 400 Stellen bei der Kripo beschlossen worden. Für die Polizei insgesamt gebe es bis 2012 eine klare Perspektive zur Personalentwicklung, sagte Schönbohm. Die Zahl der Vollzeitstellen werde von derzeit 9535 auf 8524 sinken. "Damit ist dann auch das Ende der Fahnenstange erreicht", betonte der Minister. Noch mehr könne bei der Polizei nicht gespart werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar