Krisenangst : Formel 1 nach Honda-Aus in hellem Aufruhr

"Das ist erst der Anfang": Nach dem Aus von Honda sieht der Formel-1-Zirkus düstere Wolken am Himmel aufziehen. Während Verbandschef Mosley nun einmal mehr seinen Einheitsmotor durchsetzen will, geben sich Ferrari und BMW unbeeindruckt. Bei Mercedes vergießt man derweil Krokodilstränen.

Fukui
Betroffen. Honda-Firmenchef Takeo Fukui. -Foto: dpa

Vollbremsung mit Folgen: Nach dem Rückzug von Automobil-Gigant Honda ist der Formel-1-Zirkus geschockt. "Das ist ein Weckruf", orakelt etwa Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der die Königsklasse nun mit drastischen Einsparungen retten will. Findet der bislang von Honda mit bis zu 400 Millionen Euro jährlich unterstützte Formel-1-Rennstall nicht schnell einen Käufer, gehen in der kommenden Saison nur noch neun Teams an den Start. "Wenn die Teams jetzt nicht merken, was passiert ist, muss man alle Hoffnung aufgeben", warnte Automobil-Weltverbandschef Max Mosley, der seit Jahren ebenfalls für Sparmaßnahmen wirbt.

Eine emotionale Pressekonferenz in Tokio setzte am Freitag den Schlusspunkt unter das Formel-1-Engagement des Autobauers Honda, der 1964 sein Grand-Prix-Debüt feierte und seit 2006 wieder ein eigenständiges Team unterhielt. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung", betonte Firmenchef Takeo Fukui. Die unsichere Lage der Weltwirtschaft zwinge das Unternehmen jedoch, die Mittel für den kostspieligen Rennsport zu streichen.

"Große, große Schande"

Schon zu Beginn dieser Saison hatten die Japaner dem Kunden-Team Super Aguri weitere finanzielle Unterstützung versagt und den Rennstall so zum Rückzug getrieben. Auch als Motorenlieferant will Honda künftig nicht mehr auftreten. "Das ist eine große, große Schande", klagte Ecclestone, der Honda nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen im kommenden Jahr unter den Top 4 erwartet hatte.

Fieberhaft arbeiteten Teamchef Ross Brawn und Geschäftsführer Nick Fry in den Stunden nach der Honda-Entscheidung an einem Rettungspaket für den in Brackley in Mittelengland beheimateten Rennstall. "Es wird hart, aber es gibt gute Gründe zur Hoffnung", sagte Fry dem TV-Sender Sky. Mindestens drei Übernahme-Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Beim Saisonstart am 29. März in Melbourne will das Team um den britischen Piloten Jenson Button unbedingt an den Start gehen. "Die Fota hofft, dass die fortschrittliche technische Erfahrung des Teams in Brackley nicht aufgelöst wird und es den sportlichen Wettstreit bald wieder aufnimmt", ließ Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, zugleich Präsident der Teamvereinigung Fota, mitteilen.

Mosley: Einheitsmotor muss her

Doch Mosley warnte nach dem Honda-Schock erneut eindringlich vor einem "Weiter so". Der Internationale Automobil-Verband FIA sehe sich bestätigt, "dass die Kosten für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft unhaltbar" seien, hieß es in einem Schreiben an alle Formel-1-Teamchefs. Darin machte sich Mosley erneut für die Einführung eines Einheitsmotors stark, über dessen Konstruktion derzeit mit dem Motorenbauer Cosworth verhandelt werde. Nur mit einer "radikalen Wende" in der Kostenfrage könne sich die Formel 1 stabilisieren, urteilte Mosley.

Von Endzeit-Stimmung mochte Rechte-Mitinhaber Ecclestone indes nichts wissen. "Die Formel 1 ist in keiner größeren Krise als jede andere Firma der Welt", erklärte der Brite der BBC. Dagegen unkte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda nach dem Honda-Ausstieg im Gespräch mit der österreichischen Nachrichten-Agentur APA: "Ich hoffe nur, dass das nicht ansteckt." Während die deutschen Autobauer BMW und Mercedes ihr Formel-1-Engagement bislang nicht infrage stellen, hatte der in Köln beheimatete Toyota-Rennstall schon vor einigen Wochen Überlegungen bestätigt, sein Motorsport-Budget mittelfristig eher für eine Rückkehr in die Le-Mans-Serie zu verwenden.

Eher skeptisch ist offenbar auch Ex-Pilot und Testfahrer Alexander Wurz. "Die Firmen krachen wie die Kaisersemmeln am Sonntagmorgen", so der Österreicher. In die selbe Bresche schlägt Rennstall-Mitbesitzer Gerhard Berger: "Das wird erst der Anfang sein". Bei BMW gibt man sich unterdessen unbeeindruckt. "Für uns rechnet sich die Formel 1 in jedem Fall", erklärt Motorsportdirektor Mario Theissen.

Haug: "Sehr traurig"

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sieht für seinen Rennstall unterdessen keine Gefahr ("stehen auf soliden Beinen"). Für das Aus von Honda machte er die anhaltende sportliche Schwäche bei den Japanern verantwortlich. Diese hätten zuletzt "extrem aufgerüstet", aber offensichtlich weder zahlungskräftige Sponsoren gewinnen können noch habe sich der Erfolg eingestellt. Dies sei "sehr traurig", zeige aber, "wie wichtig die von uns seit über fünf Jahren geforderten Kostensenkungsmaßnahmen sind, die bisher nur zu einem kleineren Teil umgesetzt wurden". (jvo/dpa/ddp/AFP)