Der Tagesspiegel : Kritik an tödlicher Jagd auf Schleuser

Sandra Dassler

Königs Wusterhausen - Die Verfolgungsjagd auf mutmaßliche Schleuser, bei der Anfang des Monats sechs Menschen ums Leben kamen, beschäftigt Behörden und Experten. Die „Märkische Allgemeine“ berichtete gestern, das Unfallfahrzeug sei mit einem Peilsender ausgerüstet gewesen und hätte auch aus der Distanz geortet werden können. Die Zeitung zitierte „zwei Sicherheitsexperten, die namentlich nicht genannt werden wollten“, mit den Worten: „Da muss man schon einmal fragen, ob die Verfolgungsjagd mit Tempo 180 quer durch Königs Wusterhausen gerechtfertigt war“.

Von den Behörden, die den Sachverhalt ermitteln, war dazu gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Mitarbeiter des Bundespolizeipräsidiums Mitte mit Sitz im hessischen Fuldatal waren in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Leipzig seit längerem der Schleuserbande auf der Spur. In der Nacht vom 1. zum 2. August verfolgten Bundespolizisten in einem Zivilfahrzeug die Schleuser. Nach Informationen des Tagesspiegels war eine Gruppe Vietnamesen von Tschechien aus zunächst mit einem Lkw über die Grenze gebracht worden. Sechs Flüchtlinge stiegen dann in einen BMW um, in dem sich auch zwei mutmaßliche Schleuser – ein Tscheche und ein Vietnamese – befanden. Warum sich die Bundespolizei kurzfristig entschied, den BMW zu stoppen, war bislang weder von der Staatsanwaltschaft Potsdam noch von der Staatsanwaltschaft Leipzig zu erfahren.

Die Bundespolizisten baten die Brandenburger Polizei um Amtshilfe. Diese beteiligte sich mit drei Autos an der Verfolgung, nachdem ein Versuch, den BMW zu stoppen, gescheitert war. Nach Aussagen der Potsdamer Staatsanwaltschaft wurde das Fluchtfahrzeug von den Verfolgern nicht bedrängt. Trotzdem verlor der vietnamesische Fahrer die Kontrolle und raste gegen zwei Bäume. Die mutmaßlichen Schleuser und vier vietnamesische Flüchtlinge starben.

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