Der Tagesspiegel : Kritische Masse

Die Cottbuser Uni ist beliebt – weil sie wenig Studenten hat. Dem Ministerium aber sind es zu wenige

Sandra Daßler

Cottbus - Die Cottbuser Uni gilt unter manchen Studenten als Traumstudienort. Dort gibt es keine überfüllten Hörsäle, und die meisten Professoren kennen ihre Studenten persönlich. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Denn obwohl sich an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) jedes Jahr mehr Studenten eintragen, ist ihre Zahl noch zu gering.

Das meint jedenfalls Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU). Sie schrieb dieser Tage einen ziemlich deutlichen Brief an den Cottbuser Unipräsidenten Ernst Sigmund. Wegen der unterdurchschnittlichen Auslastung der Lehrkapazität – also den wenigen Studenten pro Professor – müsse die BTU bei der daran orientierten Mittelvergabe des Landes künftig erhebliche finanzielle Einbußen verkraften, konstatierte sie. Dann würde, so die Ministerin der Uni das Geld für qualifiziertes wissenschaftliches Personal ebenso fehlen wie für die Weiterentwicklung des Studienangebots – und dies sei nicht hinnehmbar.

Schon bis Ende des ersten Quartals 2004 erwartet Johanna Wanka nun einen Maßnahmeplan, um vor allem die Zahl der Studierenden zu erhöhen.

Hintergrund der ministeriellen Mahnung ist das neue Mittelverteilungsmodell, nach dem die brandenburgischen Hochschulen bezuschusst werden. Eine wesentliche Komponente ist dabei die Zahl der Studierenden, sagt Ministeriumssprecher Holger Drews. Und da habe Cottbus immer noch großen Nachholbedarf, da viele Studiengänge nicht ausgelastet seien – genau das, was für Lehrende und Lernende die angenehme Atmosphäre an der Uni ausmacht. Zwar erkenne man im Ministerium durchaus an, dass sich die Zahl der Studierenden in Cottbus kontinuierlich erhöhe. Das reiche aber nicht aus. Eigentlich müsse man deshalb schon jetzt die Mittel für die BTU drastisch kürzen, drohte das Ministerium – man habe sich aber entschieden, sie zunächst nur um 1,5 Prozent zu kappen. Dafür erwarte man aber, dass sich die Cottbuser jetzt um effektivere Strukturen bemühen. Anders gesagt um mehr Studenten pro Professor

„Das ist längst im Gang“, sagt BTU-Präsident Ernst Sigmund. „Aber in ganz Deutschland ist das Interesse an technischen Studiengängen nun einmal längst nicht so groß wie beispielsweise an Sozial- und Geisteswissenschaften.“ Da angesichts des Geburtenknicks in Ostdeutschland schon in vier bis fünf Jahren weitaus weniger Studierende aus der Region zu erwarten sind, setzt Sigmund vor allem auf das Ausland. „Cottbus hat einen guten Ruf in vielen Ländern“, meint er. Schon heute ist jeder vierte der rund 5200 Studenten kein Deutscher. Die meisten ausländischen Studenten kommen aus China, Kamerun und Polen – insgesamt sind 80 Nationen auf dem Campus vertreten.

Dass auch der Zulauf aus dem Ausland nicht ausreichen wird, weiß aber auch Ernst Sigmund: „Wir werden an Umstrukturierungen nicht vorbei kommen“. Und dabei könnten ganze Studiengänge auf der Strecke bleiben.

Dass sich das lohnen könnte, hat die Ministerin in ihrem Brief bereits in Aussicht gestellt. Schon eine 100-prozentige Auslastung der Lehrkapazitäten würde zu einem beachtlichen „Mittelaufwuchs“ führen, heißt es da. Dazu müssten hier 6250 Studenten eingeschrieben sein – 1000 mehr als jetzt. Ob die Zustände dann aber noch so idyllisch wären wie jetzt, ist eine andere Frage.

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