Der Tagesspiegel : Krönung auf acht Metern

Der sensationelle Zufalls-Buchfund wird in Branitz ausgestellt

Helmut Caspar

Cottbus. Historiker im Glück: Nicht nur, dass ein Handwerker auf Schloss Branitz zufällig ein Buch von 1712 fand, das am Dachbalken klemmte, der Zustand des Sensationsfundes ist auch „verhältnismäßig gut“, wie Experten nach ersten Untersuchungen sagten.

Es handelt sich, wie berichtet, um einen in Leder gebundenen Prachtband mit aufklappbaren Kupferstichtafeln. Insgesamt haben die Bilder eine Länge von acht Metern. Sie schildern die Prozession zur Krönung und Salbung des ersten preußischen Königs Friedrich I. und seiner Gemahlin Sophie Charlotte am 18. Januar 1701 in Königsberg. Das Werk von dem Kupferstecher Johann Georg Wolffgang zeigt außerdem Höflinge und Gesandte, die bei der Zeremonie zugegen waren. Nicht vergessen werden auch die Volksfeste nach dem Staatsakt sowie die nach alter Tradition kostenlose Ausgabe von Speisen und Wein und die Verteilung von Gedenkmünzen unter die Schaulustigen.

Obwohl das Buch kein Exlibris oder Besitzerstempel trägt, könne es auf Grund des Einbandes der Bibliothek der Fürsten zu Pückler zugeordnet werden, sagt Matthias Körner von der Pückler-Stiftung. Der berühmte Gartengestalter und Besitzer von Schloss und Park Branitz, Hermann zu Pückler-Muskau, habe eine bedeutende Büchersammlung von seinem Urgroßvater Callenberg übernommen, die später immer wieder angereichert wurde und zum Teil in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit verloren gegangen ist. Etwa ein Drittel sei in die Landesbibliothek nach Potsdam gelangt und vor einiger Zeit von dort als Leihgabe nach Branitz zurückgegeben worden. Das überraschende Auftauchen der Krönungsgeschichte gleiche laut Körner die Bücherverluste zwar nicht aus, sei aber für das Pückler-Museum ein großer Glücksfall.

Mit anderen Fundstücken soll das wertvolle Buch demnächst in einer Ausstellung gezeigt werden. Der Presse wird es bereits an diesem Mittwoch vorgestellt. Der Fundort, die Gutsökonomie auf Schloss Branitz, wird zur Zeit für sieben Millionen Euro aus Mitteln der EU, des Landes und des Bundes saniert und restauriert und soll künftig für Ausstellungen und zum Empfang der Besucher genutzt werden.

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