Der Tagesspiegel : Ku’damm-Krakau in drei Stunden

Seit gestern gibt es eine Linienflugverbindung von Neuhardenberg nach Polen

Rainer W. During

Neuhardenberg - Gestern ist auf dem Flugplatz Neuhardenberg der erste Linienflug nach Krakau gestartet. Die Betreibergesellschaft des Flughafens selbst hat die 19-sitzige Turboprop-Maschine gechartert, um zu zeigen, welche Chancen der ehemalige DDR-Regierungsairport bietet. „Wenn wir es nicht tun, dann tut es niemand“, sagt der Geschäftsführer des Flughafen-Eigentümers Grundwert Brandenburg, Dieter Vornhagen.

75 Minuten dauert der Flug, einschließlich Anfahrt braucht man „drei Stunden vom Ku’damm nach Krakau“, sagt Vornhagen. Wer bisher von Berlin in die polnische Großstadt wollte, musste den Umweg mit Lufthansa und LOT ab Tegel über München nehmen. Kosten für den Hin- und Rückflug: rund 1300 Euro. Ab Neuhardenberg ist das Ticket für 449 Euro zu haben. Dienstags und donnerstags startet die zweimotorige Beech 1900D der Berliner Charterfluggesellschaft Private Wings morgens um 8 Uhr von Neuhardenberg nach Krakau und abends um 18 Uhr in die Gegenrichtung. Ab August sollen daraus zwei komplette Flugpaare werden, sodass auch Tagesbesuche von polnischen Geschäftsleuten in Berlin möglich werden.

Man habe die Flughafengesellschaft mit Sonderkonditionen unterstützt, sagt Private Wings-Geschäftsführer Andreas Wagner. Das wirtschaftliche Risiko trägt aber die Betreibergesellschaft des Airports. Dieter Vornhagen zeigt sich zufrieden: Mehr als 60 Prozent der Plätze in der ersten Woche seien verkauft. Flüge in weitere osteuropäische Städte seien geplant. Die Internetseite des Flughafens nennt 17 Zielorte wie Danzig, Lodz und Breslau, aber auch St. Petersburg, Kiew und die baltischen Hauptstädte.

Als „Bedarfsverkehr zu festen Abflugzeiten“ können die Flüge auch unter der gegenwärtigen Lizenz starten. Doch es geht um mehr. Wie berichtet, wollte die irische Billigfluglinie Ryanair Neuhardenberg schon im Frühjahr zu ihrem Hauptstadt-Drehkreuz machen. Die Brandenburger Behörden versagten jedoch die notwendige Ausweitung der Betriebsgenehmigung. Ohne diese sei Neuhardenberg „für uns nicht interessant“, so Ryanair-Sprecherin Caroline Baldwin. Eine neue Gesprächsrunde sei aber denkbar.

Die Behörden begründeten ihre Ablehnung mit dem Hinweis, die Pläne widersprächen der gemeinsamen Landesplanung. Diese sieht vor, Schönefeld zum einzigen Verkehrsflughafen der Region auszubauen. Vornhagen klagt gegen die Ablehnung vor dem Frankfurter Oberverwaltungsgericht. Weil die Länder Berlin und Brandenburg außerdem Hauptgesellschafter des Flughafens Schönefeld sind, hat er zusätzlich Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt: Neuhardenberg sei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung.

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