Der Tagesspiegel : Kündigung für Hasstiraden

Angestellte des Hotels „Zur Bleiche“ hetzten im Netz

Burg - Weil sie im Internet gegen ihren Chef gehetzt haben, haben neun junge Angestellte des Wellnesshotels „Zur Bleiche“ in Burg im Spreewald ihren Job verloren. Sie sollen auf der Studentenplattform „StudiVZ“ nicht nur über einen Gehfehler des Hotelinhabers gelästert, sondern auch zu Anschlägen auf ihre Arbeitsstätte aufgerufen haben.

Die Angestellten – zumeist jugendliche Auszubildende – waren bei StudiVZ Mitglieder des Gruppenforums „Der Storch muss hängen“, erklärt der Anwalt des Unternehmens, Michael Graf de la Rosé. Ein Storch ist das Logo des Hotels „Zur Bleiche“. Im Forum sollen Aktionen gegen das 180-Betten-Haus diskutiert worden sein. Dabei fielen Sätze wie „Wie wär’s mit Abfackeln“ oder „Ihr habt doch schon die Sache mit dem Reizgas durchgezogen“. Für den Hoteleigentümer Heinrich Michael Clausing waren diese Äußerungen der Grund für die fristlosen Kündigung. Er habe die Gäste und seine insgesamt rund 180 Mitarbeiter in Gefahr gesehen, sagte de la Rosé. Denn 2004 war nicht nur der Wellnessbereich des Hotels abgebrannt, im Dezember 2007 war in der Empfangshalle tatsächlich Gas ausgeströmt. 42 Gäste mussten damals ärztlich behandelt werden. Der Vorfall ist noch immer nicht geklärt.

Die Hotelleitung hatte von den Hass-Sprüchen durch eine Mitarbeiterin erfahren. Als eines von 50 StudiVZ-Mitgliedern im Hotelbetrieb war sie zufällig auf das Forum gestoßen und hatte ihre Chefs informiert.

Clausing hat nun wegen der Internetbeiträge eine Strafanzeige bei der Cottbuser Staatsanwaltschaft gestellt. Auch der Gasvorfall soll darin eine Rolle spielen. Dazu, ob die Vorwürfe bereits geprüft oder Ermittlungen begonnen haben, wollte sich Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum gestern nicht äußern.

Die Hotelangestellten ihrerseits klagen inzwischen vor dem Cottbuser Arbeitsgericht gegen ihre Kündigungen. Für sie seien die Sprüche im Internet nur „Spaß“ gewesen, hieß es. Sie bezögen sich auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Hotel. Laut de la Rosé haben sich die Betreffenden aber nie bei ihren Vorgesetzten über angebliche Missstände beschwert. just

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