KÜNSTLER-KULT„Beuys: Die Revolution sind wir“ : Der Künstler als Prophet

Christina Tilmann

Zehn Jahre hat man in Berlin auf diese Ausstellung gewartet. Noch zum 20. Todestag am 23. Januar 2006 hatte es zu nicht mehr gereicht als einer langen Nacht in der Akademie und einer Studioausstellung im Hamburger Bahnhof. Die große Jubiläumsausstellung hatte damals die Tate Modern in London arrangiert. Und die letzte große Beuys-Ausstellung in Berlin ist 20 Jahre her. Und das, obwohl im Westflügel des Hamburger Bahnhofs, dank der Sammlung Marx, Hauptwerke wie das monumentale „Ende des 20. Jahrhunderts“ (1982/83), „Unschlitt/Tallow“ (1977) und die aus 20 Holztafeln bestehende Arbeit „Richtkräfte“ (1974/77) dauerhaft zu sehen sind und auch die Sammlung Marzona einen ganzen Schatz an Beuys’schen Arbeiten umfasst.

Jetzt also dafür richtig. „Die Revolution sind wir“, nach einer der berühmtesten Beuys-Aktionen, lautet der Titel der Ausstellung, die im Rahmen der Schusterschen Abschiedsfestspiele „Der Kult des Künstlers“ im Hamburger Bahnhof zu sehen ist. Dass Beuys, der große Schamane, Künstlerkult betrieben hat wie kaum ein anderer seiner Generation, ist unbestritten: Kunst als Motor der gesellschaftlichen Veränderung, der Künstler als Prophet, Lehrer und Revolutionär zugleich und das mit universellem Anspruch. Entsprechend umfassend gerät auch die Ausstellung, die in 15 Kapiteln die „utopische Dimension des Gesamtwerks von Joseph Beuys“ umreißen will. Der ganze Beuys in 15 Kapiteln? Ein wahrhaft utopisches Unternehmen. Christina Tilmann

Hamburger Bahnhof, Fr 3.10. bis So 25.1.2009, tägl. außer Mo 10-18 Uhr, Sa 11- 20 Uhr, So 11- 18 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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