Bunker mit Glasdach : Galerie C/O will im Monbijoupark bauen

Das Foto-Forum C/O Berlin bewirbt sich um den Monbijoupark – um dort ein Galeriegebäude zu bauen. Den alten Standort im Postfuhramt in der Oranienburger Straße hat ein neuer Investor gekündigt.

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So könnte der Neubau im Monbijoupark aussehen.
So könnte der Neubau im Monbijoupark aussehen.Simulation: Promo

Das seit zwei Monaten von der Kündigung durch einen neuen Investor in seinem Quartier im alten Postfuhramt an der Oranienburger Straße bedrängte Foto-Forum C/O Berlin plant einen eigenen Neubau im Monbijoupark. Wer die digital visualisierten Pläne des Berliner Studios Pott Architects nun erstmals sieht, erkennt sogleich ein ambitioniertes Projekt.

Bisher verunzieren das kleine (frühere) Park-Schmuckstück („Bijou“) am Spreeufer – direkt gegenüber der Nordflanke der Museumsinsel und des Bodemuseums – einige eher schäbige Hallen, die von der Kunsthochschule Weißensee als Ateliers genutzt wurden, sowie ein ehemaliger Weltkriegsbunker. Um dieses Areal wurde lange gestritten, dann kam vor rund zehn Jahren im zuständigen Bezirk Mitte ein Bebauungsplan zustande, der seitdem den Abriss der Hallen und des Bunkers vorsieht. Inzwischen erhält die Kunsthochschule neue Ateliers in Weißensee, und das im Besitz der Stadt befindliche Monbijou-Areal soll eine reine Grünfläche werden.

Dagegen strebt C/O Berlin eine kulturelle Nutzung an. Die Werkhallen sollen gemäß dem alten Plan des Bezirks abgerissen werden, aber inmitten des Grüns würde auf dem innen sanierten und geöffneten früheren Bunker eine Glaskonstruktion gesetzt, die im Zusammenspiel mit der umgebenden Natur einen transparenten, auch auf dem Dach begehbaren Ausstellungsbau mitsamt einem Café, einer Kunstbuchhandlung und den eignen Büros und Konferenzräumen bilden soll. Architekt Ingo Pott, Gründungsmitglied von C/O Berlin und davor im Berliner Büro von Norman Foster am Bau der gläsernen Reichstagskuppel beteiligt, sagt dazu dem Tagesspiegel: „Wir hatten damals die Idee, das Volk soll uns im Parlament aufs Dach steigen können. Auch jetzt wünschen wir uns einen Ort, der das Thema Fotografie als öffentliches Medium schon von außen sichtbar macht. Das Material wird das Licht und die Färbungen des Parks reflektieren und in der Stadtmitte zugleich einen Ort der Begegnung und Begehung schaffen.“

C/O-Geschäftsführer Stephan Erfurt meint zu dem Projekt, das auch auf die gläserne Pyramide über dem unterirdischen Besucherzentrum des Pariser Louvre anspielt: „Natürlich müsste für unsere Pläne der bisherige Bebauungsplan des Bezirks Mitte geändert werden. Dazu haben wir schon erste Gespräche geführt; einmal gefasste politische Beschlüsse zu ändern, ist eine sensible Materie, siehe zurzeit das Bahnhofsprojekt in Stuttgart. Aber man sollte doch erkennen, dass wir eine lebendige Brücke zwischen Museumsinsel, Hackeschem Markt und dem Galerieviertel an Postfuhramt und Oranienburger Straße schlagen wollen. Das wäre mehr als eine kaum definierte Grünanlage, für die schon der Abriss etwa fünf Millionen Euro kosten soll.“

Für die C/O-Version könnte die aufwendige Bunkersprengung vermieden werden; im Übrigen wollen die C/O-Macher das Grundstück auf Erbpachtbasis ohne öffentliche Zuschüsse nutzen und die etwa fünf bis acht Millionen Euro Baukosten ihres 3000 Quadratmeter Innenraum umfassenden Projekts selber finanzieren. Weil aber die erhoffte rasche Zustimmung des Bezirks Mitte trotz aller Bemühungszusagen des Regierenden Bürgermeisters noch unsicher ist, werden als parallele Optionen für ein neues Domizil auch ein Parkplatzgelände neben dem Tacheles und das Areal der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule an der Auguststraße nahe dem Postfuhramt weiter sondiert.

Sondiert hat auch C/O-Freund Klaus Wowereit in der vergangenen Woche. In Gesprächen mit der israelischen EladGroup, die das Postfuhramt erworben hat und dort unter anderem ein Hotelhochhaus plant, will der Regierende Bürgermeister erreichen, dass C/O Berlin über den Kündigungstermin zum 31. März 2011 hinaus mit seinen Ausstellungen im Postfuhramt bleiben kann. Die Entscheidung soll im Oktober fallen, und im besten Fall hofft man bei C/O Berlin, erst Ende 2012 vom Postfuhramt direkt in ein neues Quartier umziehen zu können.

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