KURZ  &  KRITISCH   :   KURZ  &  KRITISCH  

Nantke Garrelts
Das A. Foto: R. Paperno, Courtesy Studio Benton
Das A. Foto: R. Paperno, Courtesy Studio Benton

AUSSTELLUNG

Angekommen: „Regie-Frauen“

in der Akademie der Künste

Nur kümmerliche elf von hundert Theatertreffen-Stücken der vergangenen zehn Jahre wurden von Frauen inszeniert. Dagegen dürfte bei der Eröffnung der Video-Ausstellung „Regie-Frauen“ in der Akademie der Künste (Black Box am Pariser Platz; bis 12.6.; Di–So 11–20 Uhr) der weibliche Anteil am Publikum größer sein als 90 Prozent, ihre Begleiter scheinen auf dem Weg in die Ausstellungsräume verloren gegangen zu sein. Interessiert sitzen die Besucherinnen an den rund 40 Monitoren, Kopfhörer aufgesetzt, und lauschen Theaterregisseurinnen und Intendantinnen, wie sie über ihre Kämpfe im „Männerberuf“ und dessen Vereinbarkeit mit Kind und Familie berichten. Die meisten Zuhörerinnen scheinen der Generation der in den Fünfzigerjahren geborenen „Durchsetzerinnen“ anzugehören, die den „Pionierinnen“ der Nachkriegsjahre folgten. Nach der Einteilung von Kuratorin Christina Haberlik ebneten sie den „Angekommenen“ sowie den „Regisseurinnen von heute und morgen“ den Weg. Letzteren gilt die Mahnung: Lasst die Errungenschaften der Vorkämpferinnen nicht in Vergessenheit geraten!

Lässt man aber eine „Durchsetzerin“ wie Annegret Hahn zu Wort kommen, ergibt sich ein weniger verbissener Eindruck: Die Fragen des Feminismus hätten sie nie beschäftigt, winkt die Intendantin des Thalia Theaters in Halle ab. Ähnlich wie sie lehnen auch ihre Kolleginnen aller Generationen Ideologisierung und Schubladen ab. Die Grazer Intendantin Anna Badora weist vielmehr darauf hin, dass „gute“ Frauen sachbezogen arbeiten. Und so kann man von Karin Henkel, Doris Dörrie und Katharina Wagner einiges über Theater lernen. Denn wie der Untertitel der Ausstellung sagt: Regisseurin ist längst ein „Männerberuf in Frauenhand“. Im Jahr 2011 zumindest sind drei von zehn Theatertreffen-Inszenierungen von Frauen gemacht. Nantke Garrelts

KUNST

Ausgeschnitten: Fletcher Bentons Alphabet im Georg-Kolbe-Museum

Das „U“ schlägt einen Salto, das „E“ lehnt sich gegen die Wand, das „V“ verharrt schüchtern an Ort und Stelle. In farbigem Stahl lässt der US-Bildhauer Fletcher Benton die Buchstaben des lateinischen Alphabets tanzen. Das Georg-Kolbe-Museum zeigt jetzt die Serie. (Sensburger Allee 25, bis 19.6., Di–So 10–18 Uhr). Anlass der Schau ist die Schenkung einer Skulptur, die einmal vor dem Erweiterungsbau des Jüdischen Museums stehen soll.

Der Künstler, Jahrgang 1931, betrieb als Jugendlicher eine Werkstatt für Ladenschilder. Nach dem Militärdienst blieb er in San Francisco. „Ich war ein echter Beatnik“, sagt Benton. In seinem Alphabet verdichten sich 20 Jahre Arbeit. Jeder Buchstabe wird aus einem Stahlquadrat geschnitten, es darf keine Reste geben. In federleichten Papiermodellen spielt Benton die möglichen Lösungen durch und orientiert sich am Klang der Lettern. Im Amerikanischen lässt sich das „U“ weich und elastisch dehnen, das „E“ spart alle Energie. Schade, dass die bunten, drehbaren Plastiken in der Ausstellung zu einer starren Formation gefroren sind. Denn eigentlich hat Fletcher Bentons Alphabet die Disziplin der Worte längst hinter sich gelassen. Seine Buchstaben tollen herum, als hätten sie Ferien. Simone Reber

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