Leipziger Buchmesse : Drei Autorinnen gewinnen Preis der Leipziger Buchmesse

Drei Frauen werden in Leipzig ausgezeichnet: Natascha Wodin, Barbara Stollberg-Rilinger und Eva Lüdi Kong. Und es ist viel von Hoffnung die Rede am ersten Messetag.

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Eva Lüdi Kong (für Übersetzung, von l.), Barbara Stollberg-Rilinger (für Sachbuch/Essayistik) und Natascha Wodin (für Belletristik) erhalten den mit insgesamt 60 000 Euro dotierten Preis der Leipziger Buchmesse. Foto: Jan Woitas/dpa
Eva Lüdi Kong (für Übersetzung, von l.), Barbara Stollberg-Rilinger (für Sachbuch/Essayistik) und Natascha Wodin (für...Foto: Jan Woitas/dpa

Von Hoffnung ist auf dieser Leipziger Buchmesse viel die Rede. Seinen Roman "Kompass" habe er "im Zeichen der Hoffnung" geschrieben, hatte der Gewinner des Preises für Europäische Verständigung, der französische Schriftsteller Mathias Énard, am Mittwochabend bei der Eröffnung gesagt und seine Dankesrede geschlossen mit dem Appell: "Setzen wir der Unbeweglichkeit des Hasses die unendliche Hoffnung auf die Sonne der Erkenntnis entgegen". Selbst die quasi unter (Landes-)Arrest stehende und von einer lebenslangen Freiheitsstrafe bedrohte türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan wollte, als sie am Donnerstagmittag per Video live aus Istanbul zu einer Runde auf dem Blauen Sofa geschaltet wurde, trotz aller erkennbaren Erschöpfung die Hoffnung auf eine demokratische Besserung in der Türkei nicht aufgeben.

Und da mochte wohl auch Kristina Maidt-Zinke, die Jury-Vorsitzende des Preises der Leipziger Buchmesse, nicht hinten anstehen, als sie ihre Begrüßungsrede hielt. Sie möge doch bitte beim nächsten Mal optimistischer in die Zukunft schauen, hätte man ihr nach ihrer - tatsächlich etwas kulturpessimistischen - Rede aus dem Vorjahr entgegengehalten, so Maidt-Zinke. Das aber könne sie nicht wie gewünscht, Optimierung stecke in dem Wörtchen Optimismus schließlich auch, von wegen unseres Zeitalters der steten, oft ja krankmachenden Selbstoptimierung. Also wollte sie stattdessen lieber ein anders Wort gebrauchen: "Hoffnung".

Natascha Wodin hofft, dass das Ausmaß der Zwangsarbeit während der NS-Zeit bekannter wird

Nun denn: Wer gehofft hatte, diese Preisverleihung werde kurzweiliger als die der vergangenen Jahre, werde gar Zeichen setzen, für Literatur, Gesellschaft, gar Politik, (nein, bloß nicht für den Markt!) wurde aber enttäuscht. Disparat war die Auswahl, insbesondere in der Belletristik. Dazu passt, dass die selbstverständlich hervorragenden, aber auch speziellen, um nicht zu sagen: die speziellsten Bücher auf ihren Listen in den Kategorien Sachbuch und Übersetzung die Preise gewannen: Barbara Stollberg-Rilingers Biografie von Maria Theresia und Eva Lüdi Kongs Übersetzung des chinesischen, in China jedem Kind bekannten Klassikers "Die Reise in den Westen", den sie erstmals ins Deutsche übertragen hat.

Auch die wenig überraschende Gewinnerin des Belletristik-Preises, Natascha Wodin, bearbeitet in ihrem Buch "Sie kam aus Mariupol" einen historischen Stoff. Sie erzählt darin die Geschiche ihrer ukrainischstämmigen Mutter, die von den Nazis 1944 als Zwangsarbeiterin verschleppt wird und nach dem Krieg daran seelisch und körperlich zerbricht. Als Wodin sich kurz bedankt, äußert sie die Hoffnung, dass mit dem Preis für ihr Buch womöglich auch die Ausmaße der Zwangsarbeit während der NS-Diktatur bekannter und einem größeren Publikum bewusst werden.

Mehr zur Leipziger Buchmesse finden Sie hier: www.tagesspiegel.de/leipziger-buchmesse

 

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