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Karl Hafner

WALHALLA RISING

Regie: Nicolas Winding Refn

Eisige Kälte durchzieht „Walhalla Rising“ (2009, Sunfilm), den Wikingerfilm des Dänen Winding Refn von 2009. Es gibt kein Drinnen in den nordischen Weiten, keine Gebäude, keinen Schutz, nur den ewigen Wind und niederdrückende Wolkengebirge. Der Held (Mads Mikkelsen) ist stumm und einäugig. Um 1000 nach Christus, zur Zeit der Christianisierung, kämpft er als Gladiator ums Überleben. Er ist Gefangener, Mittel zum Broterwerb für seinen Herrn. Töten oder getötet werden, das ist seine Welt. Nach unzähligen Kämpfen gelingt Einauge die Flucht. Zusammen mit einem Jungen schließt er sich einer Gruppe von Gotteskriegern an, doch die Bootsfahrt nach Jerusalem wird zur Irrfahrt durch den Nebel, weiter ins Nichts, tiefer in die Kälte, in die gefühlte Hölle. Trotz grausamer Kämpfe ist der Film bedrückend ruhig, typische Kriegerhelden gibt es hier nicht. Auch die Handlung ist auf ein Minimum reduziert. Die Panoramaaufnahmen der kargen Landschaft, in der man sich bei all ihrer Schönheit – gefilmt wurde in Schottland – verloren fühlt, geben dem Film einen surrealen Grundton, dessen Grundthema schwer zu fassen ist. Sicherlich geht es um den Mord der Christen an den Heiden. Der Einäugige ist der König unter den Verblendeten. Winding Refn, bekannt geworden durch postmoderne Gangsterfilme, verzichtet hier auf jegliche Ironie, jeglichen Humor. „Walhalla Rising“ ist ein grausames, archaisches und zugleich wunderschönes Filmmonument.

ARREBATO

Regie: Iván Zulueta

In schlafwandlerischem, drogengeschwängertem Zustand befinden sich auch die Figuren in „Arrebato“, dem mythenumrankten, nahezu vergessenen Meisterwerk des Spaniers Iván Zulueta von 1980, der bisher kaum aufzutreiben war. Auf der vorzüglich edierten Veröffentlichung des Labels Bildstörung befinden sich auf zwei DVDs neben dem eigentlichen Film Zuluetas Kurzfilm „Leo es pardo“, eine gut 50-minütige Dokumentation über den Regisseur, ein Making-of sowie ein 24-seitiges Booklet mit Essays – reichlich Material also, um sich diesem fordernden Werk zu nähern. José, ein Horrorfilm-Regisseur, bekommt von seinem alten Bekannten Pedro per Post einen Super-8-Film geschickt. Pedro ist ein Filmwahnsinniger, dessen Blick aufs Leben nur durch das Kameraobjektiv zu funktionieren scheint. Es ist eine Art Abschiedsbrief, vielleicht ein Hilferuf – auf jeden Fall ein Rätsel, das mit objektiven, rationalen Kriterien nicht zu lösen sein wird. Es geht um die Macht der Filmbilder, die gefilmten Objekten Transzendenz verleihen und doch die Wirklichkeit nie fassen. Und es geht um den Traum der beiden Filmemacher, Teil ihrer Filmwelt zu werden, unsterblich zu sein auf und durch Zelluloid – eine Sucht, die sich im Drogenkonsum der Protagonisten widerspiegelt und ihren Preis verlangt, attackieren doch Drogen wie Filme auf ihre Weise die Realität. Experimentelles, metaphysisches Kino vermischt sich hier mit Elementen des Genrekinos. Die Atmosphäre ist durchweg unheimlich, sexuell aufgeladen und entwickelt eine enorme Sogwirkung, die frappierend exakt der Filmhandlung entspricht.Karl Hafner

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