NEU AUF DVD   :   NEU AUF DVD  

Karl Hafner

DRAMA Königreich des Verbrechens

von David Michôd

Die erste Szene des vielfach ausgezeichneten Debütfilms, der bei uns nur auf DVD erscheint (Koch Media), sieht friedlich aus. Mutter und Sohn auf der Couch vor dem Fernseher, die Mutter scheint zu schlafen - doch sie ist tot. Der 17-jährige Josh hat jetzt nur noch drei Onkel, allesamt Kriminelle, die in Melbourne unter der beinahe inzestuösen Fuchtel von Joshs Großmutter leben. Bislang war Josh ferngehalten worden von dieser Familie, die eine Keimzelle des Bösen ist, skrupellos ihre enge, kleine Welt gegen den Zugriff des Staates verteidigt. Zwar stehen ihr dabei ein korrupter Polizist und ein schmieriger Anwalt zur Seite, doch hat das alles nicht die Qualität amerikanischer Mafiafilm-Familien. Hier ist alles unterstes Niveau: Drogengeschäfte und Raubüberfälle ohne größeres Konzept, gezeigt durch den unsicheren Blick von Josh, der unter diesen Umständen erwachsen werden muss. Die Dialoge sind aufs Äußerste reduziert, die wenigen Gewaltszenen wirken somnambul. Der größte Teil der Handlung spielt in geschlossenen Räumen, was die Tristesse dieser Leben noch verstärkt.

STUMMFILM Po zakonu – Nach dem

Gesetz von Lev Kulešov

Eine Blockhütte ist Kulisse und Gefängnis des 1926 gedrehten sowjetischen Stummfilm-Meisterwerks (Edition Filmmuseum) von Lev Kulešov, einem der wichtigsten Pioniere und Theoretiker der Montagetechnik. Der auf einer Geschichte von Jack London basierende Film, ein in Russland gedrehter Western, erzählt vom Goldrausch in Alaska. Ein bedrückendes Kammerspiel, eine Studie menschlichen Verhaltens in einer Extremsituation, ein Psychodrama über Schuld, Sühne und Vergeltung. Auf engstem Raum sitzen ein Ehepaar und ihr Gefangener, ein Doppelmörder, in einer Blockhütte fest. Der Yukon umspült die Hütte, es regnet in Strömen. Die Situation wird sich nicht so schnell ändern, es ist Schneeschmelze. Nach dem Gesetz solle mit dem Mörder verfahren werden, darauf besteht die Frau. Keine Selbstjustiz, der Mann ist ein Weißer. Also wird vor Ort ein düsterer Prozess inszeniert. Das Paar spielt Richter, Ankläger, Zeugen und Henker zugleich. Der vom Filmmuseum Wien in Auftrag gegebene neue Elektronik-Soundtrack unterstreicht die zunehmende Beklemmung, und man wundert sich, wie perfekt die Ausdrucksmittel des Kinos waren, bevor die Sprache dazukam.

DRAMA The Informers

von Gregor Jordan

Ich brauche jemanden, der mir sagt, was gut und was böse ist, jammert Graham, Sohn reicher Eltern, irgendwann in „The Informers“ (Universum) von 2009 und macht damit überdeutlich, was das Dilemma der Menschen in diesem episodenhaften Film nach Kurzgeschichten von Bret Easton Ellis ist. Ein paar reiche und schöne Menschen langweilen sich Anfang der Achtziger in Beverly Hills beinahe zu Tode. Die Familien sind kaputt. Wenn man sich zusammenrauft, geht es ums Geld. Drogen und Alkohol vernebeln den Restverstand, dazwischen jede Menge Sex. Zu einigermaßen normalem Empfinden scheint hier keiner mehr in der Lage – ein typisches Easton-Ellis-Setting, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat. So recht weiß man zwar nicht, was der Film will, aber faszinierend anzuschauen ist so eine konsequente Oberflächlichkeit – natürlich ist nichts dahinter – inklusive einer beinahe schon übertrieben prominenten Besetzung (unter anderem Billy Bob Thornton, Kim Basinger, Mickey Rourke) dann doch. Karl Hafner

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