Kultur : ... Prominente erklären die Grimm’schen Wörter

HOFFEN



zur ermittelung der sinnlichen grundbedeutung von hoffen darf das angelsächsische hoppan, niederdeutsch hoppen, mittelhochdeutsch hupfen und hüpfen wol als nächst verwant herangezogen werden ... aus der bedeutung des in die höhe springens ergibt sich die des überrascht auffahrens; ...

gewöhnlich ist die bedeutung auf etwas künftiges angenehmes warten.



Alexander Khuon, Schauspieler

Das Wort ‚hoffen’ würde ich ganz spontan mit einem Stück verbinden, in dem ich gerade spiele. Es heißt „Glaube, Liebe Hoffnung“, und darin geht es um eine demenzkranke Frau, die interviewt wurde. Also es ist dokumentarisches Theater. Diesen Moment einer Frau, die eigentlich demenzkrank ist und trotzdem unbändige Hoffnung hat, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihr Leben gestalten zu können und das Leben lebenswert zu finden, das finde ich sehr berührend und bewegend. Also, das macht mich auch hoffen.

MUNDWERK

werk, das mit dem munde gemacht wird, worte, rede ... das werk, das im munde liegt, und zwar in bezug auf seine sprechfähigkeit; redegabe ...

„obgleich das weib nach der natur ihres geschlechts mundwerks genug hat“

Gunther Emmerlich, Sänger

Mundwerk, das sind ja zwei Begriffe zueinander gesetzt, bei denen man erst mal denkt: Werk? In das geht man ja eigentlich, um zu arbeiten. Aber der Mund arbeitet ja auch. Und demzufolge ist das Mundwerk ein freches Mundwerk oder ein fischelantes Mundwerk – also einer, der sich geschickt auszudrücken pflegt. Ein Politiker zum Beispiel ist ein Mundwerktätiger.

Zu hören montags bis freitags auf Deutschlandradio Kultur in den Sendungen Ortszeit (6–9, 17.07–18 Uhr), Radiofeuilleton (9.07–14 Uhr) und Fazit (23.05–0 Uhr). Auf UKW 89,6, im Digitalradio und unter www.deutschlandradio.de/grimmschewoerter

MUTTERLAND

„bei herannahender guter witterung gedachte ich nach wunsch und neigung die schönen tage des vorigen jahrs im mutterlande abermals zu genieszen.“



Ruprecht Polenz,

CDU-Bundestagsabgeordneter

Der Begriff Mutterland bezeichnet das Land, das Kolonien besaß und verwaltete. Da kommt der Begriff her. Heute fände ich ,Mutterland’ sehr schön für diejenigen, die Deutschland als ihr Vaterland sehen, weil sie zu uns eingewandert sind, die aber zu dem Land, aus dem ihre Eltern und Großeltern stammen auch innige Beziehungen unterhalten wollen. Die kann man zu seinem Mutterland ja ebenfalls haben. Also das Vaterland ist dann, nehmen wir einen konkreten Punkt, für die eingewanderten Türken Deutschland und das Mutterland bleibt die Türkei.

QUACKSALBER

einer der unbefugt die heilkunde ausübt, ein kurpfuscher, eigentlich ein marktschreierischer, seine geschicklichkeit und heilmittel öffentlich anpreisender arzt ... gegen ende des 16. jh. entlehnt aus quacksalver. zusammengesetzt aus quacken (schreien) und salver (der arzt) … übertragen: der politische quacksalber ...

„wenn ihr mittel gegen die liebe wollt, so findet ihr sie bei allen moralischen quacksalbern.“



Ralf König, Comiczeichner

Ich dachte früher immer, das sei ein Quarksalber. Dass der vielleicht im Mittelalter irgendwelche Quarkrezepturen anrührte und behauptete, das sind jetzt Heilsalben oder so. Aber es ist ja ein Quacksalber – und deswegen denke ich, er hat einfach Quak, Quak, Quak gemacht, wie eine Ente, und es war nur Blödsinn.











TOLERANZ

im 16. jh. entlehnt aus lateinisch tolerantia, duldsamkeit …

„toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende gesinnung sein; sie musz zur anerkennung führen“ …

„von toleranz wird gesprochen: ein wort, das ich nicht leiden kann, als wenn man einander nicht ertragen müszte?“

Dilek Kolat, Berliner Senatorin

für Arbeit, Integration und Frauen

Dass Berlin tolerant und weltoffen ist, das ist ein Standardsatz, den man sehr häufig hört. Aber wenn man darüber nachdenkt, was bedeutet eigentlich Toleranz, dann ist es ein Begriff, der nicht gut passt. Ich würde viel lieber das Wort Akzeptanz benutzen. Denn das Wort Toleranz hat auch in sich, dass man sich abgrenzt oder etwas ablehnt. Man muss ja etwas ablehnen, um es dann zu tolerieren. Deswegen bin ich mit dem Begriff Toleranz nicht so einverstanden. Aber, weil es gängig ist, wird es immer wieder benutzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben