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Oleg Jurjew:



Von Orten. Ein Poem. Gutleut Verlag, Frankfurt a.M. und Weimar, 2011. 48 Seiten, 11 €.

Seit 20 Jahren lebt er als Dichter, Dramatiker und Erzähler in Deutschland, und seit fünf Jahren schreibt er einmal monatlich die Kolumne „Jurjews Klassiker“ im Tagesspiegel – wie so manchen Essay übrigens auf Deutsch. Literarisch hat er aber immer an seiner russischen Muttersprache festgehalten – auch wenn Elke Erb und Olga Martynova seine Romane (zuletzt „Die russische Fracht“ bei Suhrkamp) mit viel Gespür übertragen. Denn Oleg Jurjews fantastische Wortgespinste wollen einem mit jeder Silbe im Munde zergehen. Mit dem in fünf Gesänge unterteilten Poem „Von Orten“ hat er seine halluzinatorische Beobachtungsgabe nun zum ersten Mal unvermittelt ins Deutsche gerettet. Jüngste Reiseerlebnisse und Kindheitserinnerungen gehen in diesen Prosagedichten eine Liaison ein. Die Orte sind ein verschneiter Weinberg in der Kurpfalz, der unweit seiner Wohnung gelegene Frankfurter Ostpark, die Straße zwischen Chicago und Urbana-Champaign im amerikanischen Illinois, eine illegale Siedlung an der abchasischen Schwarzmeerküste oder die Tram Nummer neun in Leningrad, der Stadt, in der er 1959 geboren wurde. Tsp

Literatur funktioniert nicht als moralische Anstalt – nur um den Preis der Zerstörung ihrer ästhetischer Autonomie. So wie der an der Washington University in St. Louis lehrende Germanist Paul Michael Lützeler die deutsche Gegenwartsliteratur auf ethische Fragestellungen hin untersucht, geht es – mit Hermann Broch – aber nicht um die Instrumentalisierung von Kunst, sondern um die „Aufdeckung neuer Erkenntnisse und neuer Seh- und Anschauungsformen“. Lützeler hat dazu acht Trialoge organisiert: Jeweils umrahmt vom Essay eines Kritikers und eines Literaturwissenschaftlers, geben Schriftsteller wie Durs Grünbein, Arnold Stadler, Barbara Honigmann, Peter Schneider, Yoko Tawada, Angela Krauß und Hans-Ulrich Treichel Auskunft über ihr Schreiben. Ihr Werk wird unter anderem gedeutet von Heinrich Detering, Ina Hartwig, Ulrich Greiner, Andrea Köhler, Hajo Steinert, Stephan Krass, Jennifer M. Kapczynski und Lützeler selbst. Der Band enthält auch einen Essay von Tagesspiegel-Literaturredakteur Gregor Dotzauer über Ulf Erdmann Zieglers Deutschlandbild: „Vom Leben an den Rändern“. Tsp

Paul Michael

Lützeler/Jennifer M. Kapczynski (Hg.)
: Die Ethik der Literatur. Deutsche Literatur der Gegenwart. Wallstein Verlag, Göttingen 2011. 288 Seiten, 24, 90 €.

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