Kultur : 10 000-Dollar-Budget für Kira Muratova

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Kira Muratova lebt in Odessa. "Eine heruntergekommene Stadt - und die Menschen sagen noch immer, sie sei eine Schönheit." Jetzt ist Kira Muratova in Berlin. Bei der Berlinale läuft der einzige Film, den die Regisseurin in den vergangenen drei Jahren drehen konnte: Der 20-minütige "Zero-Budget"- Film "Ein Brief nach Amerika", eine ironische Video-Botschaft, die verarmte Intellektuelle aus Odessa an ihre emigrierten Freunde schicken. Hauptthema: "Geld", sagt Kira Muratova, "wie im richtigen Leben". Vor zehn Jahren noch, als sie ihren damals mit einem Silbernen Bären ausgezeichneten Film "Das asthenische Syndrom" drehte, sei es ein "exzessives Freiheitsgefühl" gewesen. Ab Sonntag kann die 66-jährige über ein Zehntausend-Dollar-Budget verfügen. Sie erhält den "Andrzej-Wajda-Friedens-Filmpreis", den die Philip Morris Kunstförderung in diesem Jahr zum ersten Mal verleiht. Der Namensgeber des Preises, der polnische Regisseur Andrzej Wajda, hörte bei einem Pressegespräch Muratovas Worte mit besorgter Anteilnahme. Ausgezeichnet wird Muratova für ihr Lebenswerk, in dem sie so nachhaltig für die Freiheit ihrer bizarren und verstörenden Kunst eintrat, dass ihre Filme bis zu 17 Jahren "im Regal" lagen. Wajda, der mit seinem Polen-Epos "Pan Tadeusz" großen Erfolg hat, prophezeite dem osteuropäischen Film einen ähnlichen Aufschwung wie dem polnischen. Die Menschen wollen wieder einheimische Produktionen sehen, wollen wissen: "Wer sind wir, woher kommen wir", sagt Wajda. Eine Reihe solcher Filme zeigt der "Freedom Film Showcase" bis zum 20. Februar im Polnischen Kulturinstitut und im Hackesche Höfe Filmtheater.

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