10 Jahre Gallery Weekend Berlin : Die besten Galerie-Ausstellungen

Räume und Träume: Die Galerie Sprüth Magers präsentiert mit Werken von Fischli & Weiss, Reinhard Mucha und Philipp-Lorca diCorca gleich dreimal große Kunst

Angela Hohmann
Sammelsurium. Fischli & Weiss bilden in Polyurethan nach und malen an.
Sammelsurium. Fischli & Weiss bilden in Polyurethan nach und malen an.Foto: Galerie

Mit gleich drei Ausstellungen wartet die Galerie Sprüth Magers zum Gallery Weekend auf. Die größte und aufregendste besteht aus Werken des Düsseldorfer Konzeptkünstlers Reinhard Mucha, in deren Zentrum sich der „Frankfurter Block“ befindet. Es ist die Re-Inszenierung einer Installation, die Mucha 2012 in der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin eingerichtet hatte. Ein Raum in den Grässlin’schen Abmessungen wurde dafür nun bei Sprüth Magers gezimmert. Darin wiederum ist die damalige Ausstellung leicht modifiziert nachgebildet.

Die verweisträchtige Inszenierung nimmt Bezug auf Muchas Lehrer Klaus Rinke sowie eine Bielefelder Ausstellung von 1981, deren Bestandteile in Vitrinen aufbewahrt und in Videos mit Ausstellungsansichten zu betrachten sind. Ergänzt wird die Installation durch weitere Behältnisse, gefüllt mit Objekten oder Materialien, die – versiegelt durch eine Glasplatte – so zu abstrakten Bildobjekten werden. Der Besucher erlebt eine formal strenge Welt oder anders ausgedrückt: einen großen Hohlkörper, in dem sich weitere Hohlkörper befinden, die wiederum weitere enthalten wie bei einer russischen Matruschka.

Auf diese Weise entsteht eine vielschichtige und assoziativ aufgeladene Installation voller Verschachtelungen und labyrinthischer Verweise. Diese zielen nicht zuletzt auf Muchas eigene Biografie und Schaffen.Durch ihre balancierte Abstraktion wird eine fast archivarische Ordnung vorgetäuscht, die von formaler Schönheit zeugt (Preis auf Anfrage). Weitere Hohlkörperobjekte Muchas ergänzen diese komplexe Installation und veranschaulichen sein ästhetisches Verfahren im Kleinen.

In der Installation „Eine Ansammlung von Gegenständen“ von Peter Fischli (geb. 1952) und David Weiss (1946 bis 2012), der zweiten Ausstellung bei Sprüth Magers, setzt das Schweizer Konzeptkünstler-Duo seine ironische Dekonstruktion von Alltagsgegenständen fort. Schaut man durch die Tür des Galerieraums, glaubt man sich in eine chaotische Garage versetzt. Dicht gedrängt befinden sich dort vermeintlich vergessene Objekte wie Paletten, ein altes Telefon, Schlüssel, Zigaretten eine Flasche, ein Schuh, eine Kettensäge, ein riesiger Autoreifen. In Wirklichkeit sind alle Objekte, wie so oft bei Fischli|und Weiss, maßstabsgetreu aus Polyurethan nachgebildet. Die Gegenstände sind durch die Bearbeitung ihrer Funktionen beraubt. Eigentlich handelt es sich um Abfallprodukte aus dreißig Jahren gemeinsamer Kunstproduktion, die mit Weiss’ Tod vor zwei Jahren abrupt endete. Zur Installation arrangiert, unterliegen sie einer vielfach ironisch gebrochenen Umwertung (Preis auf Anfrage).

Als dritten Künstler präsentiert die Galerie Sprüth Magers den amerikanischen Fotografen Philipp-Lorca diCorcia (geb. 1951), mit seiner Serie „Hustlers“ aus den frühen neunziger Jahren. Rund um den Santa Monica Boulevard in Los Angeles spürte er männliche Prostituierte auf, bezahlte ihnen ihren üblichen Satz für die geringste sexuelle Dienstleistung. Doch statt Sex mit ihnen zu haben, fotografierte er sie in ihrer Alltagsumgebung: in Hotelzimmern, auf Parkplätzen, an Straßenrändern, in Cafés und Hinterhöfen und an Bushaltestellen.

Entstanden sind Bilder mit einer kinohaften Aura, in denen sich Realität, Fantasie und Begehren aufs Engste miteinander verschränken. Dieser Stil charakterisiert die Arbeiten diCorcias überhaupt. Insgesamt 25 Fotografien aus der Hustler-Serie wurden 1993 im Museum of Modern Art in New York gezeigt. Sie erregten inmitten der Aids-Krise große Aufmerksamkeit und machten diCorcia mit einem Schlag bekannt (je 30 000 Euro, 20er Auflage).

Galerie Sprüth Magers, Oranienburger Str. 18, Reinhard Mucha (bis 30. 8.), Peter Fischli / David Weiss Bis 30. 8., Philipp-L. diCorcia, bis 21. 6.; Di – Sa 11 – 18 Uhr.

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