10 Jahre Gallery Weekend : De Sade wälzt sich im Bett

Was noch rund um das Berliner Gallery Weekend passiert - Auktionen, Vorbesichtigungen und eine Ausstellung der Villa Stuck zu Gast im Radialsystem

Geiler Marquis. Szene aus John Bocks Film im Radialsystem.
Geiler Marquis. Szene aus John Bocks Film im Radialsystem.Foto: Villa Stuck

Drei Tage sind deutlich zu wenig, denn mit dem Gallery Weekend steigt zugleich die Betriebstemperatur der gesamten Berliner Kunstszene. Jeder zeigt, was er hat: Die Galerie Michael Schultz (Mommsenstr. 34) prunkt mit Malerei von Gerhard Richter, in den Räumen von Läkemäker (Schwedter Str. 17) findet man sich zwischen den großartigen Assemblagen und Collagen von Günther Hornig wieder. Was andere Galerien zeigen, die ebenfalls nicht offiziell Teil des Weekends sind, sich ihm aber dennoch freundschaftlich verbunden fühlen, steht unter anderem im neuen Flyer des Landesverbandes der Berliner Galerien (LVBG). Sonderveranstaltungen werden ebenso aufgelistet wie jene Orte, die ihre Öffnungszeiten dem Weekend anpassen. Ein Farbleitsystem erleichtert den Überblick nach den Quartieren. Den praktischen Plan findet man unter anderem in den beteiligten Galerien oder als Download (www.berliner-galerien.de).

Ein Jubiläum feiert nicht nur das Weekend. Auch das Berliner Auktionshaus Irene Lehr lädt an diesem Wochenende zu seiner 40. Versteigerung in das Excelsior Hotel (Hardenbergstr. 14). Am heutigen Samstag, 3. Mai, kommt ab 13 Uhr Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts unter den Hammer. Zu den Highlights zählen die jeweils auf 60 000 Euro geschätzten Bilder „Jura“ (1952) von Willi Baumeister sowie „Dampfer und Boot“ (1913) von Emil Nolde – ein Aquarell auf feinem Reispapier. Für Alexander Calders Aquarell „Growing vine“ von 1966 erwartet Lehr mindestens 25 000 Euro.

Jeannot Simmen spricht über Kunst und iPad

Nicht kaufen, aber schon einmal gucken kann man in der Berliner Dependance des Auktionshauses Lempertz (Poststr. 22). Hier werden die Höhepunkte der kommenden Auktion in Köln ausgestellt: moderne und zeitgenössische Kunst sowie Gemälde alter Meister und Kunstgewerbe. Das Haus hat am 2. und 4. Mai von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am Sonntag heißt es allerdings gleich: Bitte setzen! Denn um 11 Uhr spricht Jeannot Simmen darüber, wie das iPad den Kunstbegriff verändert. Anschließend gibt es einen Brunch gegen den kleinen Hunger.

Der könnte zarten Seelen durchaus nach dem Besuch des Radialsystems (Holzmarktstr. 33) vergehen. Hier gastiert die Villa Stuck mit dem Projekt „Der Stachel des Skorpions“. Das Münchner Haus hat gemeinsam mit dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt sechs Künstler und Künstlergruppen eingeladen, den gleichnamigen Film des Surrealisten Luis Buñuel neu zu interpretieren. Sowohl Tobias Zielony als auch Chicks on Speed oder Julian Rosefeldt haben sich mit offensichtlicher Lust darangemacht, die schräge Geschichte über Liebe und Leidenschaft auf ihre Weise zu entfesseln.

Teile daraus sind im Rahmen eines Screenings bis zum 4. Mai jeweils von 14 bis 22 Uhr zu sehen. Den Abschluss des bildgewaltigen Werks bildet eine intensive filmische Performance von John Bock, der den Marquis de Sade ein letztes, groteskes Mal im Sterbebett all jene unanständigen Dinge visualisieren lässt, die durch die Romane des französischen Adeligen geistern. cmx

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