100. Geburtstag : Die große Füchsin

Die US-Hollywood-Schauspielerin Bette Davis wurde heute vor 100 Jahren geboren. Sie spielte keine sympathischen Rollen. Aber immer Frauen, die sich durchsetzen, um jeden Preis.

Christina Tilmann
bette davis
Bette Davis -Foto: dpa

„Anschnallen bitte. Es wird eine turbulente Nacht.“ Die Theaterdiva Margo Channing, etwas angeheitert und mehr als gereizt, sagt auf ihrer Party allen den Kampf an: dem Freund, den sie der (vielleicht nur gedanklichen) Untreue verdächtigt, dem Regisseur, der ihr die falschen Rollen gibt, dem Produzenten, der blonden Starlets (Marilyn Monroe in einer ihrer ersten Rollen) schöne Augen macht. Und natürlich dieser Eve, der Intrigantin und Lebenskopistin, die sich so perfekt in ihr Umfeld geschlichen hat. Eine Suada, auf der Treppe gesprochen, viel mehr als eine Sturmböe, eher ein veritables Erdbeben. Blitzende Augen und eine Stimme wie Donner. Erotik pur, eine umwerfende Präsenz, trotz keineswegs klassischer Schönheit.

Die Rolle, ein Leben, in Joseph Mankiewicz’ „All About Eve“ von 1950. Die Diva, die die Zicke gibt, um die Macht über ihre Rollen zu behalten, und doch souverän genug ist, am Ende die Rolle fallen zu lassen, um die Macht über ihr Leben zu behalten: Das ist Bette Davis. Es ist die Rolle der Kämpferin, die es sich nicht leicht gemacht hat und ihren Regisseuren und vier Ehemännern auch nicht. Sie hat ihr Leben lang darum gerungen, die richtigen Rollen zu bekommen, nicht zu leichte, nicht zu junge, nicht zu dumme. Margo Channing lehnt es ab, die junge Verliebte zu spielen, und spielt ihr Lebensdrama weiter. Die Schauspielerin Bette Davis zahlt für ihre Kompromisslosigkeit den Preis, zwar bewundert zu werden, aber geliebt, das vielleicht nicht.

Es sollte immer „bigger than life“ sein für sie, befindet auch die Biografie, die Charlotte Chandler gerade verfasst hat (Verlag Langen/Müller, 382 S. 19,90 €). Ein Leben, geprägt von Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, aber auch von politischer Unbeugsamkeit: Bette Davis, die heute vor hundert Jahren geboren wurde und am 6. Oktober 1989 starb, war im Zweiten Weltkrieg Mitbegründerin der „Hollywood Canteen“ zur Unterstützung der US-Soldaten und weigert sich zu McCarthy-Zeiten, sich von Kollegen zu distanzieren, die auf die schwarze Liste gesetzt wurden.

Mit dem Hollywood-System hat sie immer gehadert. Schon in „All About Eve“ geht es auch um den Konflikt zwischen Theater und Film. Margo Channing wählt das Theater – Eve, die Nachfolgerin, geht nach Hollywood. Bette Davis hingegen machte den Film zur Bühne. Die Versuche, am New Yorker Broadway zu landen, hatte eine Schauspiellehrerin der ehrgeizigen Elevin ausgeredet: Sie sei nicht ernsthaft genug für die Bühne. Dabei ist Bette Davis eher zu ernsthaft gewesen, auch wenn sie zunächst hauptsächlich in Komödien eingesetzt wurde. Ihre Welt ist das große Drama: die Intrigantin in der Maugham-Verfilmung „Des Menschen Hörigkeit“ (1934), die stolze Südstaatenlady in „Jezebel“ (1938), die skrupellose Ehegattin in „Die kleinen Füchse“ (1941). Dominant, rücksichtslos, verführerisch: Es sind keine sympathischen Rollen. Aber immer sind es Frauen, die sich durchsetzen, um jeden Preis. Es sind ihre Lebensrollen: „She did it the hard way“, steht auf ihrem Grabstein. Es hätte auch heißen können: „Bitte anschnallen. Es wird ein turbulentes Leben.“ Christina Tilmann

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