Kultur : 100. Todestag Verdis: Eine alte Frage

Claudio Abbado

Giuseppe Verdi - war er nun ein Atheist oder war er ein Gläubiger, das ist eine alte Frage. Ich bin sicher, während er das Requiem schrieb, hat Verdi auch einen Akt der Gläubigkeit vollbracht. So wie jeder Dirigent einen Akt der Gläubigkeit vollbringt, der dieses Meisterwerk dirigiert. Ich glaube an die Musik. An ihre Wahrheit. Was mich betrifft, so fühle ich mich keiner Religion verbunden, wenngleich ich mich für alle interessiere. Im übrigen erscheint es mir nicht notwendig, religiös zu sein, um über Religiosität sprechen zu können. Im Vergleich mit anderen Requiem-Vertonungen findet man bei Verdi einen starken Sinn für Theatralität. Es reicht, schon an den Block des "Dies irae" zu denken, der von enormem evokativen Effekt ist. Man könnte sein Requiem durchaus als echte Oper bezeichnen - in dem Sinn, wie man auch die Sinfonien Gustav Mahlers Opern nennen könnte. Aber das ist eine andere Geschichte.

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