Kultur : 1001 Schatz

Das Berliner Museum für Islamische Kunst präsentiert die „Keir Collection“

Jens Hinrichsen

Hinter der Mschatta-Fassade liegt das Wohnzimmer von Edmund de Unger. Mit Sofa, Vitrine und Wandteppichen ist der Raum im Museum für Islamische Kunst Berlin dem Keir-House in London nachempfunden. Dort, in seinen Privaträumen, hat de Unger seine 1500 Werke umfassende „Keir Collection“ mit bedeutenden Werken islamischer Kunst zusammengetragen. Für mindestens 20 Jahre leiht der 92-Jährige sie nun aus. „Damit wird Berlin zu einem der wichtigsten Zentren islamischer Kunst“, freut sich Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen.

Berlin ergötzt sich zurzeit ohnehin an goldenen Koran-Handschriften, Drachenkelchen und persischen Illustrationen. Während der Martin-Gropius-Bau die „Schätze des Aga Khan Museum“ ausbreitet, eröffnet das Museum für Islamische Kunst die Dauerpräsentation „Sammlerglück. Meisterwerke der islamischen Kunst aus der Keir Collection“. Neben dem „Wohnzimmer“ des Stifters wird der lange Weg der Kunstwerke gezeigt. Im dritten Raum stehen die Objekte selbst im Vordergrund, sind nach Materialgruppen geordnet und führen in die Systematik der Sammlung ein. Medialer Höhepunkt ist ein Touchscreen, auf dem man sprichwörtlich in der persischen Handschrift der fünf Epen des Nizami (um 1585) blättern kann, ohne das kostbare Original in der Vitrine daneben zu berühren.

Das Kabinett mit bis zu 1000 Jahre alten Brokaten, Teppichen, Bronzen, Miniaturen oder Bucheinbänden bietet freilich nur einen Vorgeschmack. Eissenhauer und Museumsdirektor Stefan Weber lenkten bei der „Sammlerglück“-Eröffnung den Blick vom baulichen Aspekt der Museumsinsel hin zur nicht minder spektakulären Neuordnung der Sammlungen. 2019 soll das Islamische Museum mit dem Umzug in den Nordflügel des Pergamonmuseums dreimal soviel Fläche bespielen wie bisher. Mit drei Sälen, die ausschließlich der „Keir Collection“ vorbehalten sein werden, wird vor allem der unumstrittenen Bedeutung des de Ungerschen Lebenswerks Tribut gezollt.

Edmund de Ungers Vater, selbst ein begeisterter Sammler, kannte Wilhelm von Bode persönlich. Doch die familiären Verbindungen waren nicht ausschlaggebend für die Entscheidung für Berlin. Richard de Unger, Sohn des Sammlers und als Teppichspezialist künftiger Ehrenkurator am Islamischen Museum, lässt durchblicken, dass sein Vater bewusst Lücken gefüllt hat, die noch heute in den Ausstellungshäusern klaffen. So passt de Ungers Sammlung zum Berliner Museum wie der Topf zum Deckel. „Am wichtigsten war für uns, dass die Arbeiten nicht im Depot verschwinden. In Berlin müssen sie zwangsläufig gezeigt werden, weil nichts Vergleichbares da ist“, sagt de Unger junior.

Einzigartig sind zum Beispiel die Bergkristallobjekte aus der Zeit der Fatimidenherrschaft in Ägypten. Eine aus dem kostbaren Mineral geschnitzte Flasche – von Fachleuten als besterhaltenes Kristallgefäß dieser Größe geschätzt – dient mit seinen Palmen- und Papageienmotiven als Plakatmotiv zur Ausstellung. Wunderschön auch ein winziger, aus Bergkristall geschnitzter Hase, irgendwann im 10. oder 11. Jahrhundert gefertigt. Der Ehe zwischen Privatsammler und Museum möge er Glück bringen.

Museum für Islamische Kunst, Pergamonmuseum, Museumsinsel, Mo - So 10 - 18 Uhr, Do bis 22 Uhr.

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