Kultur : 117 Galerien

Vorschau auf den Berliner Kunstherbst: Die Art Berlin Contemporary nennt ihre Teilnehmer

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Im „Station-Berlin“ wird es diesmal wohl eng. Vor vier Jahren wurde hier die erste Schau der Art Berlin Contemporary (abc) eröffnet. Da hieß der imposante Ort in Kreuzberg noch Postbahnhof am Gleisdreieck und hatte gerade einmal 44 Galerien zu verkraften. Wenn die abc nun am 7. September für fünf Tage eröffnet, drängeln sich auf demselben Raum 117 Galerien aus aller Welt. „About Painting“ wird das aktuelle Thema sein, allerdings nicht bloß als Flachware. Was die 122 Künstler an Gemälden, Papierarbeiten, Videos, Fotografie und Skulpturen beisteuern, verbindet ein reflexives Interesse am Thema Malerei.

Kuratorisch wird das Großprojekt von der ehemaligen Direktorin des Düsseldorfer Kunstvereins, Rita Kersting, betreut, um die Ausstellungsarchitektur kümmert sich Jan Ulmer. Was das 2008 als Alternative zur herkömmlichen Kunstmesse begonnen hat, ist noch immer ein Zwitter: Man verzichtet auf beengte Kojen, sieht sich aber sehr wohl als Verkaufsausstellung. Parallel eröffnen Berlins Satellitenmessen Preview und Berliner Liste, für die das abgesagte Art Forum bislang Gravitationszentrum war. Die abc trägt damit eine neue Verantwortung, obwohl sie weiterhin privater Natur ist und man ausschließlich auf Einladung teilnehmen kann. Dazu gehören ihre Ausweitung und die Zusammensetzung der Teilnehmer: Neben vertrauten Galerien wie Martin Klosterfelde, Neugerriemschneider oder Nordenhake nehmen renommierten Kollegen wie Konrad Fischer (Hans-Peter Feldmann), Bärbel Grässlin (Günther Förg) oder Annely Juda Fine Art (Alan Charlton) und ebenso Newcomer wie Exile aus Berlin (Katharina Marszewski) teil. Long March Space aus Peking zeigt Arbeiten von Liu Wei, die Mai 36 Galerie ist mit Matt Mullican vertreten.

Endlich, so könnte man jubeln, bildet der Berliner Kunstherbst jene internationale Szene ab, um die man beim Art Forum so lange vergeblich geworben hat. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack: Denn die abc wollte und sollte Berlins verdiente Kunstmesse nie ersetzen, sondern ergänzen. Das Art Forum fehlt als zweiter Marktplatz, in dem eine unabhängige Jury über die Zulassung der Galerien bestimmt. Doch von den Organisatoren der Kunstmesse hat man in den vergangenen Wochen ebenso wenig gehört wie von jenen Politikern, die zum runden Tisch bitten wollten. Für diesen Herbst ist es zu spät. Für 2012 aber wäre noch Zeit.Christiane Meixner

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