20 Jahre Bureau des arts plastiques : Esprit und Erwartungen

Seit 20 Jahren fördert das Bureau des arts plastiques den kulturellen Dialog, auch zwischen den Galerien von Paris und Berlin. Inzwischen ist es ein Motor für den Berliner Kunstmarkt.

Heike Fuhlbrügge
Berliner Galerien profitieren vom Kulturaustausch mit Paris. Hier ein Blick in die Berliner König Galerie.
Berliner Galerien profitieren vom Kulturaustausch mit Paris. Hier ein Blick in die Berliner König Galerie.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Welchen Anteil haben französische Künstler an der Belebung der deutschen Kunstszene?“, fragt Adeline Blanchard in der jüngst erschienenen Publikation „Zeitgeist – L’esprit d’un temps“. Anlass ist die Gründung des in Berlin ansässigen Bureau des arts plastiques vor zwanzig Jahren, mit dem die französische Regierung die zeitgenössische Kunst des Landes fördern wollte – und dessen Leiterin Blanchard aktuell ist.

Das chronologisch sortierte und mit zwanzig Beiträgen von Akteuren der deutschen Kunstszene wie der Kuratorin Susanne Pfeffer, Bettina Klein (DAAD Berlin), dem Sammler Thomas Olbricht oder der Galeristin Esther Schipper versehene Buch gibt Aufschluss über die umfassenden französischen Förderaktivitäten. Sie machen klar, dass in den vergangenen zwei Dekaden völlig neue Allianzen entstanden sind, die nicht nur den „Export“ französischer Kunst befördern, sondern gleichzeitig die deutsche Kunstszene bereichern. Dafür sorgen neben innovativen Fonds für bilaterale Förderprogramme neue Kontakte und Partnerschaften.

Maßnahmen zur Förderung des Kunstmarktes

Das Bureau fungiert inzwischen als wichtige Schnittstelle für Kooperationsprojekte. Dazu zählte unter anderem der Tausch zur Biennale 2013 von Venedig, während der Anri Sala im deutschen Pavillon ausstellte und die vier für Deutschland ausgewählten Künstler den französischen Pavillon nutzten. Ausstellungen mit Nominierten und Preisträgern des renommierten „Prix Marcel Duchamp“ in der Kunsthalle Düsseldorf und im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen machten die französischen Künstler hierzulande bekannt.

Für Berlin wichtig waren vor allem die Maßnahmen zur Förderung des Kunstmarktes wie das Projekt „Paris–Berlin“, das ab 2009 fünfmal stattfand und Berliner Galerien mit ihren Künstlern in die Räume von Pariser Kollegen lud, die ihrerseits zuvor in Berlin zu Gast waren. Genau wie das institutionelle Austauschprojekt „Thermostat“, für das zwölf deutsche Kunstvereine und zwölf französische Centre d’art insgesamt 30 Ausstellungen organisierten, wurde „Paris–Berlin“ von dem damaligen Leiter des Bureau, Céderic Aurelle, auf den Weg gebracht.

Institutioneller Austausch zwischen Paris und Berlin

In Berlin sollte das Projekt den damals schwachen Kunstmarkt ankurbeln und neue Sammler an die Stadt binden. Zudem sollten sich die französischen Positionen auch in institutionellen Ausstellungen wiederfinden. Mit dem Galerienaustausch kamen französische Sammler vor Ort in Kontakt mit deutschen Galeristen und deren Programm. Umgekehrt brachten die Galeristen aus Paris ihre Künstler und Sammler in Deutschlands spannendste Kunststadt. Am ersten Austausch 2009 nahmen unter anderem die Galerie Esther Schipper und Air de Paris teil, Mehdi Chouakri kooperierte mit der Galerie 1900-2000, Johann König tauschte mit Almine Rech die Räume, Carlier Gebauer zog bei Natalie Seroussi in Paris ein, Wentrup bei Kamel Mennour.

Was ist geblieben? Die Strategie scheint aufgegangen, was die Präsenz französischer Künstler in Berlin anbelangt: Die Galerie König zeigt Camille Henrot, Dominique Gonzalez-Foerster war jüngst bei Esther Schipper zu sehen, Saâdane Afif wird von Mehdi Chouakri vertreten, Laure Prouvost von Carlier Gebauer und Émilie Pitoiset von Klemm’s. Sein Spürsinn, was den Aufwärtstrend französischer Künstler und des französischen Kunstmarktes anbelangt, hat Céderic Aurelle nicht getrogen. Berlin spiegelt diesen internationalen Boom französischer Kunst wider. Tatsächlich galt es um 2009 nicht nur, den deutschen Kunstmarkt zu beleben. Auch der französische Markt befand sich in der Flaute und konnte eine frische Brise gebrauchen.

Kunstszene in Frankreich mittlerweile dynamischer

Christine Marcel, Chefkuratorin des Centre Pompidou in Paris und Leiterin der nächsten Venedig-Biennale, empfindet die Kunstszene in Frankreich mittlerweile wieder als sehr dynamisch. Als Grund macht sie eine neue Generation von Künstlern aus, die weit mobiler sei als früher und wie Pierre Hyugue oder Laure Prouvost die Karriere außerhalb von Paris starteten – was früher unvorstellbar gewesen sei. Beide hätten es früh auf ein hohes internationales Niveau geschafft.

Auf der anderen Seite machen deutsche Künstler, darunter Ulla von Brandenburg oder Tim Eitel, Paris zunehmend zu ihrem Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Oder sie wechseln wie die Künstlerin Katinka Bock zwischen Paris und Berlin. Zwanzig Jahre Bureau des arts plastiques, das heißt in der Rückschau: Neben seiner Funktion auf institutioneller Ebene hat sich das Büro als Motor für den Berliner Kunstmarkt erwiesen – und ebenso als Seismograf internationaler Entwicklungen.

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