Kultur : 20 Minuten Kunst

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Christina Tilmann über

einen Ortstermin im Bundeskanzleramt

11 Uhr 35: Auftritt Bundeskanzler und sein Tross. Es geht um die Neudekoration der SkyLobby von Axel Schultes. Das Berliner Sammler-Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch hat, vermittelt durch Berlins Museums-„General“ Peter-Klaus Schuster, Teile seiner Sammlung zur temporären Verschönerung der Lobby zur Verfügung gestellt. Nun besieht sich der Hausherr sein Reich.

Kunst als Statussymbol und neues Insignium der Macht hat der Münchner Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich diagnostiziert und den erklärtermaßen kunstliebenden Bundeskanzler als Kronzeugen benannt. Der macht seiner Rolle denn auch alle Ehre und erweist sich als zwar gestresster, aber gut informierter Sparringspartner des augenscheinlich angenehm überraschten Sammlerehepaars. Maler wie Baselitz, Stöhrer, Schumacher und Schultze erkennt er auf Anhieb, schwärmt von Tapiès und Strawalde, erzählt Anekdoten von Uhlig und Balkenhol.

Zwanzig Minuten hat Schröder Zeit, im Schnitt zwei Minuten pro Bild. Im Schnellrundgang geht es durch drei Etagen: „Die dritte Wirklichkeit“, ein Berlin-Bild von Dieter Hacker, wurde inspiriert durch das Treiben in der Schaubühne, und passt, wie der Kanzler treffend bemerkt, ebenso gut in die aufwändige Treppenanlage der Sky-Lobby, in der Schröder zu besseren Zeiten gern geselliges Treiben, mit Schauspiel- und Literaturlesungen, inszenierte.

Ein Stockwerk tiefer kommt Schröder zu seinen Ursprüngen. Max Uhlig hat ihn gemalt als Ministerpräsidenten in Niedersachsen. Walter Stöhrer besuchte er in Schleswig-Holstein. Emil Schumacher lernte er anlässlich einer Ausstellung kennen. Vor der „Großen Verwunderung“ von Bernhard Schultze schweigt er nachdenklich. „Dass Sie so viel von Kunst verstehen“, freut sich Pietzsch. „Ja, doch ich habe leider kaum noch Zeit dafür“, erwidert Schröder traurig.

11 Uhr 55: Abgang Kanzler.

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