Kultur : 2002 Kilometer

Und wieder sind es zwei: Brügge und Salamanca werden in diesem Jahr europäische Kulturhauptstädte, nachdem sich im Vorjahr Porto und Rotterdam den Titel geteilt und im Jahr 2000 ganze neun Kulturhauptstädte Europas kulturelle Vielfalt unter Beweis gestellt hatten.

Die von einer unabhängigen Jury ausgewählten Kandidaten 2002 bieten Touristen und Kulturreisenden ein vielfältiges Programm. Die belgische Stadt Brügge wird ihren Parcour von rund 140 Veranstaltungen am 20. Februar beginnen: Mit der Eröffnung des "Concertgebouw", der neuen Konzerthalle mit der größten Bühne Belgiens und einem Saal für 1200 Zuhörer: "Ein Paukenschlag", nennt dies Hugo Greef, Intendant des Programms. Da die historische Stadt in Flandern "sozusagen das Konzentrat des Alten Kontinents mit seiner reichen Kulturgeschichte sei", hätten vor allem die drei geplanten Großausstellungen "zwangsläufig einen europäischen Anspruch". Eine Schau widmet sich von März bis Juni dem Werk des Malers Jan van Eyck und der Wechselwirkung zwischen den so genannten flämischen Primitiven und ihren Zeitgenossen in Südeuropa. Eine weitere gilt ab Mai der Bedeutung der Hanse, eine dritte beginnt im August, trägt den Titel "Umschlossene Welt, geöffnete Bücher" und stellt die mittelalterliche Gelehrsamkeit Brügges vor. Ergänzt werden die Präsentationen durch eine Ausstellung mit bisher selten gezeigten Kunstwerken und Sammlerstücken aus belgischem Privatbesitz.

"Brügge 2002 will kein Elfenbeinturm für Kunstkenner sein, sondern ein Festival, das Kultur jedem Bürger und Besucher zugänglich macht", sagt Bürgermeister Patrick Moenaert. Deshalb wird der öffentliche Stadtraum von Künstlern gestaltet, auf der "Burg", dem Hauptplatz, entsteht ein Pavillon des japanischen Architekten Toyo Ito. Seinen Besuchern bietet die Stadt einen "Brügge-2002-Pass", mit dem man das Kulturangebot für 32 Euro drei Tage nutzen kann (Informationen im Internet: www.brugge2002.be , telefonische Auskunft unter 0032-70-223302).

Auch das spanische Salamanca, wegen ihrer berühmten, im 13. Jahrhundert gegründeten Universität gerne "Stadt der Weisheit" genannt, will mit einem breiten, multidisziplinären Programm auf sich aufmerksam machen. Ausstellungen widmen sich unter anderem dem Spanischen Bürgerkrieg, der Beziehung zwischen Kunst und Essen und dem kastilischen Alltag im 19. Jahrhundert. Vor allem jedoch wird die Hauptstadt der Provinz Salamanca im Nordwesten Spaniens in diesem Jahr zum Zentrum barocker Musik: Auf dem "Festival für Alte und Religiöse Musik" (10. -27. März) werden unter anderem Frans Brüggen und René Jacobs auftreten, im Teatro Liceo wird ein Opernzyklus über das ganze Jahr hinweg das Repertoire des Barock vorstellen, ergänzt um drei Uraufführungen. (Informatioen im Internet unter www.salamanca2002.org ).

Und was verbindet die beiden Kulturhauptstädte miteinander? Eine 2002 Kilometer lange Fahrradtour ist geplant, außerdem eine Ausstellung von Brügger Wandteppichen aus dem 16. Jahrhundert in der spanischen Stadt.

Die EU-Initiative zur jährlichen Ernennung europäischer Kulturhauptstädte geht auf eine Anregung von Melina Mercouri zurück: Erste Kulturhauptstadt war 1985 Athen. 2003 wird das österreichische Graz alleine den Titel tragen, 2004 sind Genua und Lille an der Reihe.

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