25 Jahre Love Parade : Von bunt bis Acid

Noch nicht so bunt, aber straighte Subkultur: Wie es nicht auf der ersten Love Parade vor 25 Jahren, aber dafür ein Jahr später, auf der zweiten Liebesparade war.

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Wie die Zeit vergeht: Teilnehmer einer Love Parade in den neunziger Jahren
Wie die Zeit vergeht: Teilnehmer einer Love Parade in den neunziger JahrenFoto: dpa-bildfunk

Nein, am 1. Juli vor 25 Jahren, bei der allerersten Love-Parade, da war ich nicht mit dabei, da hatte ich nicht einmal was von gehört. Aber tatsächlich bin ich 1990 den Ku’damm mit rauf und mit runter gelaufen, hinter irgendwelchen Wagen her, von denen Musik schallte. Zwischen den Wagen wurde getanzt oder zumindest sich bewegt, es sollte ja weitergehen. Ansonsten lässt mich die Erinnerung an diesen Nachmittag weitgehend im Stich. Es müssen ein paar hundert Leute mehr als 1989 gewesen sein, die da mitliefen, und vielleicht standen auch schon welche auf den Wagen. Alles war extrem durchlässig, hatte leicht anarchischen Charakter, war in jedem Fall ein bunt-subkulturelles Ding, weit, weit entfernt von dem Großevent der späteren Jahre.

Dieses 25-Jahre-Jubiläum ist sowieso ein seltsames. Die Love Parade gibt es bekanntlich seit 2010 nicht mehr, seit dem Unglück von Duisburg. Dieses Ende bedeutete aber ihren mindestens zweiten, eher dritten, wenn nicht gar vierten Tod. Nicht wirklich lebendig mehr war sie schon Anfang des neuen Jahrtausends, bei den letzten, desperat anmutenden Berliner Ausgaben. Nach denen fiel sie dann auch zwei Jahre ganz aus, was kaum jemand störte. Erinnert man sich heute der Love Parade, denkt man vor allem an die Zeit, als die Ravekultur zu einem gesellschaftsverändernden Massenphänomen wurde – und an die frühen Jahre, in denen sich alles entwickelte, Techno die Musik zur Zeit war und sich die Clubkultur eben als Kultur herausbildete, so wie wir sie mitunter heute noch kennen.

"Aciiiiiiii" kreischte es zu der Zeit aus jedem Hinterhof

Was mich damals zu dieser zweiten Love-Parade trieb? Keine Ahnung, eigentlich waren Indie- oder Alternative-Rockläden wie das Loft am Nollendorfplatz oder das Ecstasy in der Hauptstraße mein Ausgehzuhause. Aber ich schätze mal, dass ich mich vom Café M aus zum Kurfürstendamm begeben habe. Das Café M war zwar mehr was für die Stalker von Blixa Bargeld, Nick Cave und der West-Berliner Düsterszene; dort saß aber auch DJ Tanith täglich bei Kaffee oder Bier. Oder es berichtete der Typ mit dem Kanu auf seinem R 4 von Partys im Freudenhaus, einem Club, der Am Karlsbad, unweit der Potsdamer Straße, sein Domizil hatte. Freundinnen schwärmten von Acid-House-Partys in London und kreischten immer „Aciiiiiiiid“; und im März 1990, bei den Atonal-Festival-Auftritten von Baby Ford und 808 State im Künstlerhaus Bethanien, stand auch eine Menge Rockpublikum in wabernden Nebel- und Stroboskopgewittern und bewunderte die Sirenengeräusche von Acid-Pfeifen und Drum-Computern.

Es ging damals also einiges – und einiges durcheinander. Als ich aber 1995, wieder vom Café M kommend, am Nollendorfplatz stand, um dort dem schon überdimensionierten Love-Parade-Treiben beizuwohnen, wurde mir bewusst: Nee, das nicht mehr! Dann lieber wieder Rock!

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