Kultur : 25. Mülheimer Theatertage: Den Preis bekommt sowieso immer das falsche Stück...

Ulrich Deuter

Zum 25-jährigen Bestehen der Mülheimer Theatertage hat das Festival neuer deutschsprachiger Dramatik nun versucht, den summarischen Mülheimer Gesamtautor auf die Bühne zu stellen. Also wurden alle bisherigen Preisträger um ein Dramolett gebeten, acht von ihnen lieferten, das Konvolut wurde "Erdball, Lichtgeschwindigkeit, los, los." genannt und soeben als allererste Theatertage-Eigenproduktion uraufgeführt.

"Erdball ..." sind acht freundlich herausgerückte Warm-ups, von Regisseurin Thirza Bruncken und vier Schauspielern (darunter die große Barbara Nüsse) fröhlich und mit wohlwollender Distanz auf die Bühne der Mülheimer Stadthalle gesetzt: Lukas B. Suter (Preisträger 1984) lieferte eine Backstage-Farce Urs Widmer (1997) ein lustiges Lehrstück über den Blödsinn der Schnelligkeit, Oliver Bukowski (1999) Komik aus den Tiefen des Proletenlebens, Klaus Pohl (1985) ein Lamento über die Ungreifbarkeit der Gegenwart, Werner Buhss (1996) eine dunkle Beckettiade, George Tabori (1983, 1990) ein paar herzliche Kalauer über das Leben schlechthin, Botho Strauß (1982) eine monologische Geisteslebensklage und von Herbert Achternbusch (1986, 1994) einen aufgebohrten Dentalquark.

Ob das Festival in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten mit seinen 157 eingeladenen Stücken von 78 Autoren (darunter 12 Frauen) ein getreues Abbild der deutschen Theaterentwicklung gaben, ist kaum mehr festzustellen. Und Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek gingen am Ende immer ohne Preis aus.

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