Kultur : 3. Im Schatten des Ruhms

Sie hat nur ein einziges Buch veröffentlicht. Da sie früh starb, wissen wir nicht, was sie als nächstes plante, und da sie ihrem Bruder Stephan in einem Testament die völlige Vernichtung ihres gesamten schriftlichen Nachlasses befahl, wissen wir nicht einmal, was sie, die als Journalistin in ihrer Geburtsstadt wirkte, sonst an Manuskripten in ihrem Schreibtisch hatte. Sie hielt sich im Schatten ihres Ruhmes, eine rigorose Maßnahme, die ihrer zurückgezogenen Persönlichkeit entsprach. An dem Roman, der ihr Weltruhm einbrachte, hatte sie neun Jahre gearbeitet, fünf für das Studium der historischen Verhältnisse, in denen die Handlung spielt, und vier für das Manuskript. Noch im Jahr des Erscheinens erhielt sie den angesehensten Literaturpreis ihres Landes und in fünf weiteren Jahren waren in insgesamt 18 Sprachen 3,5 Millionen Exemplare verkauft; zu ihrer Zeit eine unglaubliche Menge.

Trotzdem trat sie nirgends hervor und lehnte auch jegliche Interviews ab. Ihr Mann, der eine schwere Körperbehinderung überwunden hatte, war, wie ihr Bruder formulierte, ihr einziger Stolz. Sie blieb auch nach ihrem großen Erfolg eine bürgerliche Ehefrau in jener Stadt, in der schon ihr Vater, ein angesehener Rechtsanwalt, zu den Honoratioren gehört hatte. Gegen das pompöse säulengeschmückte Haus, das er erbaute, scheint sie jedoch etwas gehabt zu haben. Mit ihrem Nachlass musste das palastartige Gebäude, das übrigens in ihrem Meisterroman vorkommt, abgebrannt werden. An seiner Stelle steht heute ein gesichtsloses Bürohochhaus.

Ein Geheimnis umgibt auch ihr Geburtsdatum, von dem uns nur das Jahr bekannt ist. Wir wissen deshalb nicht, ob sie 48 oder 49 Jahre alt war, als sie plötzlich aus dem Leben schied. Sie wurde in der nach Pfirsichbäumen benannten Straße ihrer Vaterstadt von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Ihr Buch, das in immer neuen Auflagen erscheint, wird noch immer gelesen.Der gesamte Rätseltext zum Download als Datei.

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