30 Jahre Star-Wars : "Möge die Macht mit Dir sein"

Das Imperium der Träume - "Star Wars" - feierte vor 30 Jahren Premiere. Das Sternenepos brachte das Format des Blockbusters nach Hollywood und eroberte die Herzen der Fans im Sturm.

Berlin - Vor 30 Jahren entdeckten Außenseiter, Träumer und hoffnungslose Romantiker auf der ganzen Welt eine weit entfernte Galaxie im Kino um die Ecke. Ein Universum, in dem stolze Ritter und unerschrockene Prinzessinnen der röchelnden Vätergeneration die Stirn boten. Da mochten bei der Premiere von "Krieg der Sterne" am 25. Mai 1977 in den USA die intellektuellen Weggefährten von Regisseur George Lucas angesichts von Jedis, Laserschwertern und "Möge die Macht mit Dir sein" höhnen wie sie wollten - letzten Endes blieben sie alle nicht von den Erschütterungen verschont, mit denen der Hornbrillen-Träger Hollywood für immer veränderte.

An den Erfolg hatte aber nicht mal mehr der damals 33-Jährige geglaubt und vorsorglich zur Premiere einen Hawaii-Urlaub gebucht. "Nur für Kinder", hatte sich Lucas nach einer Testvorführung gerechtfertigt, als Kollegen wie Brian de Palma peinlich berührt schwiegen und seine damalige Frau die Tränen der Verzweiflung nicht zurückhalten konnte. Nur Steven Spielberg war optimistisch: "George, es ist großartig. Das wird 100 Millionen Dollar einspielen." Am Ende sollten es dreimal so viel Geld und sechs Oscars bei zehn Nominierungen werden. Bis heute haben "Star Wars"-Fans über anderthalb Milliarden Euro an den Kinokassen gelassen.

Unterhaltung statt verkopftes Kino

Denn das Publikum war von Lucas' interstellarem Kampf Gut gegen Böse von Anfang an fasziniert. Nach den schmerzhaft realistischen Werken von Autorenfilmern wie Martin Scorsese lechzten viele Kinogänger nach einer Märchenstunde mit bis dato nie gesehenen Spezialeffekten und fantastischen Charakteren wie dem Jedi-Meister Yoda, dem haarigen Chewbacca und dem hilfreichen Droiden R2-D2. "Ich musste es irgendwie alles glaubwürdig erscheinen lassen, obwohl es vollständig lächerlich war", erinnerte sich Lucas später.

Der Erfolg der ersten Trilogie mit den Fortsetzungen "Das Imperium schlägt zurück" (1980) und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983) stieß in der Filmwelt aber nicht nur auf Begeisterung. Neben Spielbergs "Der weiße Hai" gilt "Krieg der Sterne" vielen Kritikern als Wegbereiter des substanzlosen Blockbuster-Kinos mit seiner Fortsetzungs- und Merchandising-Manie. Ein Vorwurf, auf den Lucas trotzig reagiert. "In gewisser Weise habe ich die Filmindustrie in Hollywood zerstört, aber indem ich intelligentere Filme gemacht habe, nicht infantile Filme", hatte er dem Autor Peter Biskind gesagt.

George Lucas, ein freier, visionärer Filmemacher

Es gehört zu den größten Ironien der Kinogeschichte, dass gerade Lucas heute der wohl unabhängigste der führenden Filmemacher ist. In genialer Voraussicht hatte er bei "Krieg der Sterne" auf Geld verzichtet, sich dafür aber die Rechte am Merchandising und den Fortsetzungen gesichert. Die realisierte er fernab des ihm verhassten Hollywood bei San Francisco auf seiner Skywalker-Ranch - Heimat eines Kinoimperiums, zu dem auch die "Indiana Jones"-Reihe und die Spezialeffekte-Schmiede Industrial Light & Magic ("Jurassic Park") zählen.

Dort hatte Lucas auch die Entscheidung gefällt, die Vorgeschichte von Anakin Skywalkers Verwandlung in Darth Vader zu erzählen. Die neue Trilogie lief von 1999 bis 2005 in den Kinos an und war erwartungsgemäß ein kommerzieller Erfolg. Gerade ältere Fans vermissten angesichts der kühl-perfekten Technologieschlachten jedoch das Herz und den Charme der ersten Filme.

Frieden im "Star Wars"- Universum

Wenn es nach Lucas geht, ist im "Star Wars"-Universum damit ewiger Friede eingekehrt. "Es ist die Geschichte von Darth Vader. Es beginnt mit ihm als kleinem Jungen und es endet mit seinem Tod", hat er Hoffnungen auf weitere "Star Wars"-Filme eine Absage erteilt. Dass die Faszination des Filmemachers nicht seinem jugendlichen Helden Luke Skywalker, sondern dessen von der dunklen Seite der Macht verführten Vaters gilt, ist bezeichnend. "Ich bin genau das geworden, was ich zu vermeiden versucht habe", hat der Multi-Milliardär Lucas bilanziert. "Das ist Darth Vader - er verwandelt sich in genau das, vor dem er sich zu schützen versucht." (Von Nina Jerzy, ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben