Kultur : 37 Frauen!

Heute eröffnet das Münchner Filmfest.

Karl Hafner

Der Sommer verregnet, kein großes Fußballturnier, das ablenken könnte – gute Umsatzchancen für das Filmfest München. „2013 wird ein Festival der starken Frauen“, sagt Diana Iljine, Leiterin des Festivals. Und so eröffnet die 31. Ausgabe dieses nach der Berlinale publikumsstärksten deutschen Filmfestivals am Freitag mit Caroline Links „Exit Marrakech“, einer der 32 Weltpremieren. Der Film der Oscargewinnerin erzählt von den Mühen, in Marroko eine zerrüttete Vater-Sohn-Beziehung wiederherzustellen. Zu den 37 präsentierten Regisseurinnen gehören unter anderen Mira Nair, Sarah Polley, Agnès Jaoui und Ariane Mnouchkine. Mit Haifaa al-Mansours „Das Mädchen Wadjda“ gibt es sogar den ersten Film einer saudi-arabischen Regisseurin überhaupt.

Erstmals in Europa wird Sandra Nettelbecks „Mr. Morgan’s Last Love“ gezeigt, eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Französin und einem älteren Philosophieprofessor (Michael Caine). Das Festival zeichnet den großen Briten mit dem CineMerit-Award fürs Lebenswerk aus und widmet ihm außerdem eine kleine Werkschau. Mit „Get Carter“ (1971) von Mike Hodges läuft darin einer der besten Gangsterfilme des britischen Kinos.

Überhaupt, die Retrospektiven. Neben Caine wird der Italiener Paolo Sorrentino, dessen in Cannes gefeierter „La Grande Bellezza“ den Preis für den besten ausländischen Film gewinnen könnte, mit einer Hommage geehrt. Dort konkurriert er mit „La Danza de la Realidad“, dem neuen Werk des Kinomystikers Alejandro Jodorowsky. Auch Jodorowsky bekommt eine eigene Retrospektive: Wer schon immer den sagenumwobenen „El Topo“ auf großer Leinwand sehen wollte – auf nach München!

Nicht zuletzt zeigt die Reihe „Neues deutsches Kino“ 14 Uraufführungen. Provokant soll davon vieles sein, „Stilbrüche, Fäuste ins Gesicht“, schreibt Kurator Christoph Gröner. Hier läuft Frauke Finsterwalders, nun ja, Heimatfilm „Finsterworld“, zu dem Christian Kracht das Drehbuch verfasst hat, und „Der blinde Fleck“ von Daniel Harrich über das Oktoberfest-Attentat. „Deutschboden“ von André Schäfer ist der Film zu Moritz von Uslars Ost-Erkundung. Insgesamt zeigt das Festival 174 Filme aus 48 Ländern. Wir werden sehen. Karl Hafner

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