3sat-Zeltfestival : "Mit Anspruch lachen" auf dem Lerchenberg

Das 3sat-Zeltfestival findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zwischen dem 8. und 17. September treten auf dem Mainzer Lerchenberg unter anderem Georg Schramm, Andreas Müller, Roger Willemsen und Urban Priol auf.

Mainz - Das blau und rot gestreifte Zelt ist inzwischen zum Markenzeichen geworden. Jedes Jahr im September wird es für rund zehn Tage am Mainzer Lerchenberg aufgeschlagen. Dann wissen die Fans wieder: Es ist Festivalzeit bei 3sat - in diesem Jahr zum nunmehr 20. Mal. Was anmutet wie ein Anachronismus aus den 80er Jahren, hat sich mehr als einmal in dieser Zeit als Trendsetter erwiesen: Beim 3sat-Zeltfestival sind Kabarettisten zu Stars geworden, und mancher Trend wurde hier erst wirklich entdeckt. Zum 20. Geburtstag ist das Festival so aktuell wie lange nicht mehr: Politisches Kabarett ist wieder gefragt.

Alles begann im August 1987 auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Der kleine Sender 3sat war gerade drei Jahre alt, und passend zum Slogan "anders fernsehen" wollte man sich auch ungewöhnlich präsentieren: In einem Zirkuszelt traten der damals noch weitgehend unbekannte Kabarettist Richard Rogler und die Schweizer Clownin Gardi Hutter auf - vor abgehetztem Laufpublikum mit raschelnden Tüten. "Bewährt sich das Kleinkunstangebot, könnte es zu einer Dauereinrichtung in 3sat werden", stand damals im Programmheft.

Zelt als Notlösung

Das Festival wurde zur Dauereinrichtung, allerdings nicht in Berlin, sondern auf dem Mainzer Lerchenberg: Von 1988 an fand das Kleinkunst-Event jährlich am Sitz des Senders statt, zuerst in einer Halle für Übertragungswagen, ab 1992 dann in dem großen, 400 Zuschauer fassenden Zelt. "Das war eigentlich aus der Not geboren", berichtet Elke Frühling, die das Festival von Anfang an als Redakteurin betreut hat. Zwar gab es auf dem Mainzer Lerchenberg viele Studios, "aber die kann man nicht zehn Tage am Stück blockieren". So wurde das Zelt zur urigen Spielstätte, das Zuschauer und Akteure wegen seiner kuscheligen Atmosphäre lieben. Auch damit erwies sich das Festival offenbar als Trendsetter: "Inzwischen hat ja jede größere Stadt Veranstaltungen im Zelt", sagt Frühling.

Trends setzten die Macherinnen - seit 1988 ist Uschi Behr-Haagen mit dabei - auch mit dem Programm: Matthias Deutschmann und Georg Schramm verdanken ihre Karrieren zumindest zum Teil dem 3sat-Festival. Harald Schmidt lieferte 1990 sein Kabarettprogramm "Überstehen ist alles" ab, Volker Pispers machte 2003 mit seinem Amerika-kritischen Programm Furore. Nicht immer stand politisches Kabarett in den 20 Jahren hoch im Kurs, trotzdem hielten Sender und Festival eisern an der Disziplin fest. Daneben blieb auch die Kleinkunst steter Gast im Zelt: Clowns und Akrobaten traten unter der Zirkuskuppel auf, der Niederländer Hermann van Veen verzauberte 2005 mit zarten Balladen und clownesken Einlagen.

Prominente Gratulanten

Zum 20. Geburtstag wird vom 8. bis zum 17. September auf dem Lerchenberg kräftig gefeiert. Zu den Gratulanten zählen Georg Schramm, Andreas Müller, Roger Willemsen und Urban Priol. Zur großen Geburtstagsgala am 8. September kommen unter anderem Arnulf Rating, Matthias Deutschmann, Hagen Rether und Volker Pispers.

Überhaupt sehen die Macherinnen ihre Linie bestätigt: "Der Trend geht wieder zu politischem Kabarett", ist Frühling überzeugt. Viele Zuschauer seien inzwischen von der "ganz flachen Comedy mit den sich wiederholenden Gags" gelangweilt. Politisches Kabarett habe sich dagegen im Fernsehen wieder etabliert und bringe gute Einschaltquoten. Auch der Nachwuchs interessiere sich zunehmend mehr für Gesellschaftskritik, da komme "eine neue Klientel nach". Die Fernsehsender dächten deshalb wieder verstärkt in diese Richtung, zumal "Kabarett heute für das Image eines Senders sehr wichtig ist", betont Frühling und fügt hinzu: "Man möchte wieder mit Anspruch lachen." (Von Gisela Kirschstein, ddp)

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