Kultur : 40 Jahre Theatertreffen – die Tabellenführer

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Bayern München, gerade zum 18. Mal Deutscher Fußballmeister geworden, läge mit dieser Titelzahl auch in der ewigen Bestenliste des Berliner Theatertreffens sehr weit vorn. Hier führt, immer noch unangefochten, Peter Zadek mit 21 ausgewählten Inszenierungen. Zweiter ist Peter Stein mit 17, Dritter Claus Peymann mit 16 Einladungen (plus zwei als CoRegisseur zusammen mit Achim Freyer) – hart gefolgt von den (einige Jahre jüngeren) Luc Bondy und Frank Castorf, die es mittlerweile auf 13 und 12 Theatertreffen-Ehrungen bringen. Klaus Michael Grüber hat sieben, George Tabori sechs, Bob Wilson fünf Titel, und alles in allem hat in 40 Jahren Theatertreffen 160 Regisseure der Ruf nach Berlin ereilt. Kürzer ist naturgemäß die Liste der eingeladenen Theater: Hier führt die Wiener Burg (36) vor der Berliner Schaubühne (35) und den Münchner Kammerspielen (30). Das Berliner Schiller-Theater selig war immerhin auch 21- mal dabei, obwohl es 1993 aus dem Wettbewerb für immer ausgeschieden ist. Die Auswahl des Theatertreffens lag von Anfang an in Kritikerhand – andere Überlegungen zur Zusammensetzung der Jury haben sich nicht durchgesetzt. Das Kriterium bemerkenswert galt und gilt als Allzweckwaffe im Entscheidungsprozess, und mutatis mutandis hat sich das deutschsprachige Theater letztlich doch recht zuverlässig auf dem Berliner Treffen abgebildet. Mit allerdings prominenten Ausnahmen und Härtefällen: Pina Bauschs Tanztheater wurde nur dreimal, Volker Ludwigs Grips-Theater gerade einmal nominiert, in all den Jahren. Und die Off-Szene kann man an einer Hand abzählen.

Etliche Krisenjahre hatte das Theatertreffen zu überstehen: Vom Boykott der Theater war auch die Rede, und nach der Wende schien die finanzielle Grundlage dieses wichtigsten deutschsprachigen Theaterfestivals gefährdet. Nur eines war das Berliner Theatertreffen nie – bloß eine Hilfs- und Trostveranstaltung für das eingemauerte West-Berlin.

Heute Abend eröffnet das 40. Berliner Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele mit Andrea Breths „Emilia Galotti“ aus dem Wiener Burgtheater. Die Festreden halten Kulturstaatsministerin Christina Weiss und der Theatertreffen-Mitbegründer Henning Rischbieter. Tsp

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