Kultur : 42 km Beethoven

KLASSIK

Helge Rehders

Langstrecken-Wochenende in Berlin: Auf den Straßen die Läufer und im Kammermusiksaal der Philharmonie der Beethoven-Marathon . Den Anfang macht das „Quartetto serioso“. Kein extrovertertierter Komponist in Sneakers ist zu hören, dafür aber eine kultivierte Interpretation, gleichsam das Spiel im Westenanzug mit Taschenuhr über die halbe Brille hinweg – abgeklärt, aber keineswegs gemütlich. Man ahnt, warum sich zu Beginn des zweiten Satzes die Oberstimmen der folgenschweren Aufforderung des Cellos zur Fuge zunächst verweigern, sich in einem Lamento verlieren, ehe sie einwilligen in einen konfliktgeladenen kontrapunktischen Kompositionsstil, der fürderhin die Richtung weisen wird.

Aber zunächst noch ein Schritt rückwärts. Das dritte Streichquartett op. 18 ist noch ganz dem Olympier Joseph Haydn verpflichtet. Doch Vorsicht: Nicht erst im abschließenden Presto machen die Philharmoniker klar, dass es schon in diesem Frühwerk unter der wohlklingenden Oberfläche knirscht und kracht im kompositorischen Gebälk. Ihre Meisterschaft stellen die Musiker im abschließenden Opus 132 unter Beweis: Der dritte Satz ist eine himmlisch zarte Kostbarkeit. Daniel Stabrawa, Christian Stadelmann, Neithard Resa und Jan Disselhorst verfügen über eine herrlich ausgewogene und nuancenreiche Spielkultur, die nicht nur diesen Moment zu einer kammermusikalischen Sternstunde macht.

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