Kultur : 50. Berliner Festwochen: Vorhang auf! Rollos runter!

Le.

Mit traurigem Terrierblick verfolgte Ulrich Eckardt das Ruckeln der Rollos im Foyer des Kammermusiksaals: "Jetzt gehen sie hoch ... " Die Sonne war weg, die Automatik tat ihre Pflicht. "Und vielleicht gehen sie nachher ja wieder runter." Tja, wer weiß. Runter oder rauf - der scheidende Intendant der Berliner Festspiele sprach, als hätte er längstens alles gesagt. Müde, melancholisch. In der Tat gehörte diese Festwochen-Pressekonferenz - auf der wenig Neues verkündet wurde, außer dass Claudio Abbado seine Philharmoniker-Konzerte an David Zinman abgetreten hat - mit zu Eckardts letzten Amtshandlungen. Zeit des Abschieds also - und noch einmal einen Bogen gespannt von den Anfängen 1951 mit Beethovens Neunter bis hin zum Beethoven-Berio-Fest, welches Eckardt noch für 2001 eintüten konnte.

Er rede nicht gern Englisch, so Eckart weiter, aber das diesjährige "Jahrhundertklang"-Motto, wehe ihn an wie der spirit of the century: diese Vielfalt der Stile, dieser humanitäre Anspruch! Enzyklopädisch sei das Ganze freilich nicht gemeint. Vielmehr habe man die Wünsche der Künstler respektiert, die da Ernst Toch spielen wollten oder Charles Koechlin: Denn die "mögen das alles".

Damit auch das Publikum die Musik des 20. Jahrhunderts mögen lernt, wurde der Festwochen-Pass beibehalten. Der große kostet 150 Mark und gilt für alle 28 Kammerkonzerte, der kleine ist für 50 Mark zu haben und sichert den Eintritt in fünf Konzerte der freien Wahl. Zudem warten die Festwochen unter dem Titel "KlangSpuren" erstmals mit einem Programm für Jugendliche auf: Rund 30 Berliner Schulklassen hätten sich angemeldet. Wenn er je ans Weitermachen dächte, so Eckardt, würde auch er sich um die Jugend kümmern. Aber er dächte eben nicht daran. Rollos rauf oder runter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben