Kultur : 50. Deutsche Filmpreis: Noch 5886 Meter bis Hollywood

Andreas Conrad

Logisch, die Frage nach dem "Oscar" musste kommen, so kurz vor der Verleihung des Deutschen Filmpreises. Und fühlt sich auch Kulturstaatsminister Michael Naumann im Kinolicht erkennbar pudelwohl, so weiß er doch, dass deutsche Berge nicht allzu hoch in den Himmel wachsen. Filmpreis und "Oscar"? Dass sei etwa so, als werde man an der Zugspitze nach dem Mount Everest gefragt, beschied er den Frager, gab auch zu bedenken, dass die Zugspitze "nun mal nicht weiter wächst". Die Höhe der Zugspitze wird von Geologen mit 2962 Meter, die des Mount Everest mit 8848 Meter angegeben. Somit lässt sich der ministeriell attestierte Abstand des deutschen Films zu Hollywood exakt mit 5886 Metern angeben.

Immerhin, die Zugspitze. Der Filmpreis gilt hierzulande zu Unrecht zu wenig, klagte Naumann, der gestern im Adlon noch einmal auf die morgige Verleihungszeremonie in der Staatsoper Unter den Linden einzustimmen sich bemühte. Er wünsche sich, dass die Filmbranche den Preis stärker als bisher als "ein Forum auch der gesellschaftlichen Selbstdarstellung des deutschen Films" annimmt. Für Naumann ist der Filmpreis - mit einer Gesamtsumme von über 5,3 Millionen Mark der höchstdotierte Kulturpreis in Deutschland - eine große Gelegenheit für die Filmwirtschaft, "sich einmal im Jahr auch national ganz groß zu präsentieren". Dass sich dies vor der Baustellenkulisse auf dem Linden-Boulevard vollziehen wird, sieht der Minister nicht als Manko an. Berlin ist eben Berlin, das wissen die Stars und die Gäste.

Morgen gegen 18.30 Uhr werden sie also wieder anrollen, wie schon im Vorjahr im Zeichen des Mercedes-Sterns. Fünf Oldtimer, der älteste ein 300d Cabriolet des Baujahrs 1958, werden in einem Autocorso vom Reichstag und Adlon die Supernovae unter den Stars zur Staatsoper kutschieren, doch auch der übrige Fuhrpark, rund 60 Fahrzeuge der aktuellen S-, E- und C-Klasse, kann sich sehen lassen. Rund 1000 Gäste werden zur Preisverleihung und der anschließenden "Askanischen Nacht" erwartet, die Liste derer, die zugesagt haben, nennt David Bennent, August Diehl, Heino Ferch, Nina und Cosma Shiva Hagen, Christine Kaufmann, Sissi Perlinger, Franka Potente, Michael Stich, Otto, Iris Berben, Gudrun Landgrebe, Heike Makatsch, Udo L., Katharina Witt, Tom Tykwer, Christiane Paul, Maximilian Schell, Wolfgang Joop, Lilo Pulver und viele andere. Erfahrungsgemäß ist dann zwar immer ein gewisser Schwund zu verzeichnen, aber es dürfte trotzdem eine erkleckliche Zahl von Promi-Gesichtern zu bestaunen geben. Na, und dann erst die vielen Nominierten, für die ist das Erscheinen ja angenehme Pflicht.

Moderiert wird die Preisverleihung von Götz Alsmann, einem Multitalent, der für seine WDR-Show "Zimmer frei" gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, doch auch als Musiker und Schauspieler erfolgreich ist. Co-Moderatorin ist Susann Atwell, die als Starreporterin für Pro 7 sogar "Oscar"-Erfahrung hat.

Da sich um den bereits 50. Deutschen Filmpreis handelt, musste natürlich auch ein anständiges Unterhaltungsprogramm her, das von BAP und Brian Ferry bestritten wird. BAP spielen den Titelsong "Vill passiert" aus dem Roadmovie, das Wim Wenders, mit "Buena Vista Social Club" und "The Million Dollar Hotel" gleich zwei Mal unter den Nominierten, in diesem Jahr über die neue BAP-Tournee dreht.

Ferry, ehemals Gründer von Roxy Music, zieht momentan mit einem 30er-Jahre-Programm durch die Lande, machte damit Ende Februar im ICC Station. In der Staatsoper wird er "Falling in Love again" singen, die englische Version von Marlene Dietrichs berühmtem "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". So wird zugleich an die Goldene Zeit des deutschen Film erinnert, eine schöne wie auch nicht ganz unproblematische Idee, denn Marlene - das ist "Verdamp lang her".

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