50. Todestag : Berlin ehrt Brecht

Zum 50. Todestag des Literaten plant die Hauptstadt ein großes Programm. Das Brecht-Fest beginnt am 12. August mit einer großen Gala im Theater am Schiffbauerdamm.

Berlin - Am 14. August 1956 starb der Dichter und Theatermann Bertolt Brecht. Wie kaum ein anderer Künstler hat er in Berlin seine Spuren hinterlassen. Er gründete zusammen mit Ehefrau Helene Weigel das Berliner Ensemble (BE) am Schiffbauerdamm, heute geleitet von Theaterlegende Claus Peymann. Hier wurde 1928 die «Dreigroschenoper» uraufgeführt, mit der Brecht über Nacht berühmt wurde. «Und der Haifisch, der hat Zähne / Und die trägt er im Gesicht...»: In den Augen des jungen Brecht war Berlin ein Haifischrevier, und aus dem Lied wurde bald ein Schlager, den jeder Berliner kannte. In der Hauptstadt bereitet man sich nun auf den 50. Todestag Brechts vor. Geplant sind unter anderem ein Brecht-Fest am BE und eine ganz besondere Aufführung der «Dreigroschenoper» in der Regie von Klaus Maria Brandauer.

«Brecht ist eine ganz große Figur», sagt der österreichische Schauspieler und Regisseur. Vor allem die «Dreigroschenoper» hält er für eine erstrangige Theaterarbeit. Die Botschaft sei eindeutig: nicht dort zu bleiben, wo man zufällig hingeworfen wurde. Auf der Besetzungsliste von Brandauers privater Theaterproduktion finden sich neben Schauspielneulingen wie dem Sänger der Punkrock-Band Tote Hosen, Campino, auch gestandene Mimen wie Katrin Sass und Gottfried John. Aufführungsort ist ab 11. August der restaurierte Admiralspalast an der Friedrichstraße, nur einen Steinwurf entfernt vom Berliner Ensemble.

Mit einem Brecht-Fest will das BE die Theaterwelt nach Berlin holen: Gastspiele aus Spanien, Italien oder England, aus dem Ruhrgebiet oder von der Waterkant sollen zeigen, dass dieser Dramatiker «auf eine unglaublich vitale Weise lebendig ist». Das Brecht-Fest beginnt am 12. August mit einer großen Gala im Theater am Schiffbauerdamm. Sänger, Schauspieler, Musiker, Regisseure, Schriftsteller, Brecht-Liebhaber, Politiker und Zeitzeugen wie Milva, Hannelore Hoger, Franz Xaver Kroetz, Katharina Thalbach, Wolf Biermann und Christa Wolf erzählen, singen und spielen: von Brecht, über Brecht, für Brecht. Die Gala wird aufgezeichnet und am 13. August in der ARD ausgestrahlt. Ab 12. August wird der Platz um das BE in eine Galerie wehender Bilder mit unzähligen Brecht-Fotos verwandelt.

Weniger in der Öffentlichkeit arbeitet dagegen das Literaturforum im Brecht-Haus in Mitte, in unmittelbarer Nachbarschaft des Dorotheenstädtischen Friedhofs, auf dem auch Brecht und Weigel ihre letzte Ruhe fanden. «Seit 1978 finden bei uns die jährlichen Brecht-Tage statt, die sich dem akademischen Diskurs verschrieben haben», sagt Marit Gienke vom Literaturforum. Besondere Veranstaltungen rund um den 50. Todestag Brechts wird es nicht geben - stattdessen vom 14. bis 18. August die Ingeborg-Bachmann-Woche.

Das Brecht-Haus ist ein um 1850 gebautes Wohnhaus, in dem 1953 bis zu seinem Tod der aus dem Exil nach Berlin zurückgekehrte Brecht in der ersten Etage des Hinterhauses seine Wohnung nahm. Helene Weigel bezog einige Räume in der zweiten Etage. 1957 stellte sie diese dem Bertolt-Brecht-Archiv zur Verfügung und zog ins Erdgeschoss, wo sie bis zu ihrem Tod 1971 wohnte. Im Archiv befinden sich ein Großteil der Brecht-Handschriften und seine Bibliothek. Es ist aber nur für Wissenschaftler geöffnet. Das Haus in Trägerschaft der Berliner Akademie der Künste beherbergt die Wohnungen Brechts und Weigels, die in Führungen besichtigt werden können. Ein Programm rund um Brechts 50. Todestag hat sich die Einrichtung dagegen nicht ausgedacht. (Von Angelika Rausch, ddp)

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