Kultur : 55 Millionen Euro aus den Sylter Wolken

Bau-Geschenk für das Museum Folkwang Essen

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Essen im Glück: Krupp hat es wieder einmal beschert. Das Glück, das ist ein Neubau für das Folkwang-Museum. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung übernimmt die komplette Finanzierung in Höhe von 55 Millionen Euro. Der Stiftungsvorsitzende Berthold Beitz, der seit Jahrzehnten die Geschicke des Stahlunternehmens leitet, überraschte jetzt Museumsdirektor Hartwig Fischer und Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger mit der guten Nachricht. Bis 2010, wenn Essen den Titel europäische Kulturhauptstadt trägt, soll das Gebäude fertig sein.

Die Idee dazu sei ihm während seines Sommerurlaubs auf Sylt gekommen, gab Berthold Beitz bei der öffentlichen Bekanntgabe der großzügigen Geste nun zum Besten. Bei Betrachtung der Wolken habe er an Emil Nolde und die ungenügend untergebrachte Sammlung des Folkwang-Museums denken müssen. Weder der hochrangig besetzte Förderverein des Museums noch Essener Wirtschaftsunternehmen vermochten dem Haus bisher zu helfen, dessen erst 1983 errichteter Neubau wegen Asbestproblemen und mangelnder Feuerschutzvorrichtungen dringend saniert werden muss. „Warum machen wir das mit dem Museum denn nicht allein?“, hatte sich da der 93-jährige Beitz bei seinem Strandspaziergang Anfang August überlegt und sofort beim Kuratorium der Krupp-Stiftung die einstimmige Zusage eingeholt.

Nun sollen die Entwürfe der drei Architekturbüros wieder hervorgeholt werden, die vom Museumsverein bereits beauftragt worden waren, sich Gedanken zu machen. Anfang 2007 wird dann entschieden, welcher Architekt den Zuschlag erhält. Der marode Neubau von 1983 wird dann komplett abgerissen, der 1960 erbaute Kernkomplex bleibt bestehen. Berthold Beitz gab entsprechend deutlich zu verstehen, er wünsche sich ein Haus, das nicht zehn, sondern hundert Jahre Bestand haben würde – zumal die Krupp-Stiftung schon damals ein Drittel der Baukosten übernommen hatte.

Das Museum profitierte in den letzten Jahren immer wieder von der Spendierfreudigkeit der Stiftung: Für Ankäufe und Stipendien hat das Institut bislang 6,4 Millionen Euro erhalten. Im Neubau werden endlich auch Teile der fünf unter dem Dach des Folkwang-Museums beherbergten Sammlung zu sehen sein, die bisher aus Platzmangel nicht ausgestellt waren. Der Hinweis von Beitz auf den einst bei Mies van der Rohe bestellten Museumsbau auf dem Gelände der Villa Hügel, der jedoch nie zustande kam, werten Beobachter als Wunsch nach einer markanten Architektur à la Guggenheim in Bilbao. Das Glück muss jetzt nur noch Form gewinnen. NK

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