67. Frankfurter Buchmesse : Zur Eröffnung Bekenntnisse zur Meinungsfreiheit

Die 67. Frankfurter Buchmesse wurde am Dienstagabend mit Plädoyers für Toleranz eröffnet. "Ohne Meinungsfreiheit gibt es keine anderen Rechte", sagte Autor Salman Rushdie schon am Vormittag.

Aufruf zur Toleranz. Salman Rushdie (Mitte) mit Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.
Aufruf zur Toleranz. Salman Rushdie (Mitte) mit Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und...Foto: AFP

Mit eindringlichen Plädoyers für die Meinungsfreiheit ist die 67. Frankfurter Buchmesse eröffnet worden. Unermüdlich müsse man für sie eintreten, sagte der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie bereits am Dienstagmorgen bei der Pressekonferenz vor der Eröffnung. Der britisch-indische Autor sagte, die Meinungsfreiheit sei insbesondere durch religiöse Intoleranz bedroht. Ohne sie gebe es "keine anderen Rechte“, betonte der 68-jährige Schriftsteller. Verleger und Autoren müssten den Bedrohungen standhalten.

Rushdie hatte jahrelang im Untergrund gelebt, nachdem er wegen seines Romans „Die satanischen Verse“ 1989 mit einer „Fatwa“ belegt und mit dem Tod bedroht worden. Wegen Rushdies Anwesenheit auf der Buchmesse, bei der er auch seinen neuen Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" vorstellt, hatte der Iran seine offizielle Teilnahme an der Messe abgesagt. Einige iranische Verlage wollen aber dennoch in Frankfurt anwesend sein.

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, sagte zur Eröffnung der Messe am Abend: „Die Meinungs- und Publikationsfreiheit sind für uns keine verhandelbaren Werte.“ Wir im Westen seien "in einer komfortablen Situation. Wir brauchen keine Sanktionen zu befürchten. Gerade deshalb kann man es uns zumuten, Verantwortung zu übernehmen. Als Verleger, als Buchhändler, als Publizist.“ In diesem Jahr treffe sich die Branche in einer besonderen Situation. „Die Welt ist in Aufruhr. Der Kampf zwischen den Religionen und das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, verfolgt und geborgen, gefangen und frei, hungrig und satt findet derzeit in Europa seinen Ausdruck in Hunderttausenden von Flüchtlingen,“ sagte Riethmüller. Es sei Aufgabe der Branche, Toleranz zu vermitteln.

Monika Grütters: Schriftsteller schauen hin, wo andere wegschauen

Meinungsfreiheit gehört zu den zentralen Themen der Veranstaltung, die bis Sonntag andauert. In diesem Jahr ist Indonesien Ehrengast am Main. Rund 70 Autoren aus dem islamisch geprägten südostasiatischen Land werden dort unter dem Motto „17.000 Inseln der Imagination“ erwartet.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters verwies am Dienstagabend darauf, dass auch in Frankfurt aus der überwiegend von Schriftstellerinnen geprägten Literaturszene Indonesiens hauptsächlich Autorinnen anwesend sein würden. Sie behandelten in ihren Büchern unter anderem Themen wie politische Verfolgung und Völkermord als Teil der indonesischen Geschichte. Grütters sagt außerdem, dass es Schriftsteller seien, „die hinschauen, wo andere wegschauen, die anschreiben gegen Gleichgültigkeit, Verdrängung und emotionale Abgestumpftheit“. Grütters ergänzte: „Gerade jetzt, da so viele Menschen anderer kultureller und religiöser Herkunft hierher kommen, muss sich demokratische Kultur auch in Deutschland und Europa neu bewähren.“

Auf dem weltgrößten Branchentreff werden bis zum 18. Oktober rund 7200 Aussteller aus 104 Ländern erwartet. Die Buchmesse, so ihr Direktor Juergen Boos, versteht sich dabei nicht nur als weltweit größter Handelspatz für Buch-Inhalte, sondern auch als Netzwerk für Publishing und Literatur, die "schon immer auch Störenfriede" waren und "am vorherrschenden Konsens gerüttelt" haben. In diesem Netzwerk gelte die Regel: "Es gibt keine überlegenen Ideen, keine überlegene Kultur". Es sie vielmehr die Aufgabe für Autoren wie Verlager, "den Respekt für das jeweils Andere herzustellen". Boos nennt die Buchmesse auch einen Treffpunkt für Autoren, Journalisten, Kreative und Kulturvermittler, die "in dieser von Extremismus geprägten Zeiten für eine besonnen geführte Diskussion stehen". Auch befasse man sich beim Themenschwerpunkt "Grenzverläufe" unter anderem mit der aktuellen Flüchtlingskrise. dpa/Tsp

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