75. Geburtstag : Dieter Hallervorden, der Herz-König

Er mag nie der subtilste Humorist gewesen sein, doch den Nerv der deutschen Narreteien hat er als Politspötter erstaunlich oft getroffen. Dieter Hallervorden zum 75. Geburtstag.

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Dieter Hallervorden wird 75.
Dieter Hallervorden wird 75.Foto: ddp

Man könnte dieser Tage einen über zehn Jahre alten Fernsehsketch mit dem Titel „Deutsch für Türken“ aus dem Archiv holen. Dieter Hallervorden spielt da einen gestrengen Sprachkurslehrer im Integrationsdienst, der zwei bedröppelte Migranten den Satz deklinieren lässt: „Der Türke packt die Koffer.“ Passt heute wieder prima. Hallervorden mag nie der subtilste Humorist gewesen sein, auch nicht in seiner nunmehr fünfzigjährigen Direktion des Kabaretts „Die Wühlmäuse“. Aber den Nerv der deutschen Narreteien hat er als Politspötter erstaunlich oft getroffen. Auch wenn es andere Scherze sind, die eine Mehrheit als zeitlose Hallervorden-Komik assoziieren dürfte.

An diesem Sonntag wird er 75 Jahre alt. Anlässlich seines siebzigsten Geburtstages gab Hallervorden mal den rührend weltumarmenden Satz zu Protokoll: „Andere hinterlassen den ‚Zauberberg‘, ich eben ‚Palim, Palim‘“. Freilich ist es noch immer viel zu früh, über sein Vermächtnis zu sprechen, und ob ihn wirklich nur der alte Witz mit der Flasche Pommes überdauern wird, darf man bezweifeln. Tatsache ist, dass er sich ziemlich abstrampeln musste, um die Blödelgeister auszutreiben, die er Mitte der Siebziger mit „Nonstop Nonsens“ gerufen hatte, um die Clownsfigur Didi in Dieter zurückzuverwandeln. „Wer immer schmunzelnd sich bemüht“ ist seine Autobiografie betitelt – eine schöne Verbindung der beiden deutschen Haupttugenden, Fleiß und Humor.

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Hallervorden ist es jedenfalls gewohnt, die Dinge als Macher selbst anzupacken. Er hat sich, in Gestalt seines zwölfjährigen Sohns aus zweiter Ehe, selbst den Enkel gezeugt (der Scherz stammt von ihm). Vor allem aber hat er sich mit dem Schlossparktheater in Steglitz, das er vor einem Jahr mit eigenem Geld wiedereröffnete, den späten Traum vom Theater erfüllt. Wer ihn da zum Beispiel als zynischen Premierminister in der Politfarce „König der Herzen“ aufblühen sah, kann erahnen, welche Charakterrollen ihm viele Jahre gefehlt haben. In diesem Sinne: weitermachen!

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