80. Geburtstag : Heiner Pietzsch: „Die Bilder sind meine Kinder“

Kunstsammler und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde der Nationalgalerie Heiner Pietzsch wird 80 und schenkt Berlin 100 Werke seiner Sammlung.

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Der Kunstsammler Heiner Pietzsch hatte einst den Wunsch in Grunewald ein Haus "voller Wände" zu bauen, um genügend Platz für Bilder zu haben.
Der Kunstsammler Heiner Pietzsch hatte einst den Wunsch in Grunewald ein Haus "voller Wände" zu bauen, um genügend Platz für...Foto: Thilo Rückeis

Wenn Heiner Pietzsch über den Surrealisten Max Ernst spricht, fällt ihm zuerst die eine Episode ein: wie freundlich und zuvorkommend der Künstler damals war, als das Ehepaar Pietzsch ihm einmal persönlich begegnete. „Dabei wollte er bloß mit meiner Frau flirten!“

Pietzsch, der heute 80 Jahre alt wird, hat es ihm nicht übel genommen. Im Gegenteil. Als sich der Unternehmer entschied, selbst Kunst zu sammeln, verfiel er nach einer kurzen Passion für das Informel schnell auf die surrealistische Malerei. Gekauft wurde, was schon damals einen klangvollen Namen hatte: Dalí, Magritte und natürlich Max Ernst. Daneben fanden in der rund 300 Werke umfassenden Kollektion allerdings auch Künstler Platz, von denen damals niemand (mehr) sprach. Dass daraus eine runde Sammlung wurde, die nicht nur Spitzenstücke beherbergt, sondern den Surrealismus als avantgardistische Bewegung insgesamt würdigt, verdankt Pietzsch nicht zuletzt guten Beratern wie Rudolf Springer oder Dieter Brusberg.

Heiner Pietzsch, der sich vom Elektriker emporarbeitete, hat damit nie aufgetrumpft. Stattdessen ließen er und seine ebenfalls kunstbegeisterte Frau Ulla sich in Grunewald ein Haus „voller Wände“ bauen, um sich mit ihren Bildern einzurichten. Doch wie das so ist, wenn man zu den Gründungsmitgliedern des Vereins der Freunde der Nationalgalerie gehört und ständig mit anderen Kunstliebhabern in Verbindung steht: Es spricht sich mit der Zeit herum, welche Schätze einer hat. Vergangenes Jahr gab das Ehepaar Pietzsch dann der Neugierde der Berliner Kunstszene nach. Das Ergebnis war die Ausstellung „Bilderträume“ in der Neuen Nationalgalerie. Ihr großer Erfolg bewog Heiner Pietzsch dazu, Berlin rund 100 Werke als Schenkung anzubieten – unter der Bedingung, dass die Bilder tatsächlich zu sehen sind und nicht im Depot verschwinden. Das seien schließlich ihre Kinder. Und Kinder, so Pietzsch, „schließt man nicht weg!“

Der gebürtige Dresdner meint es ernst, Kompromisse sind ihm fremd. Da macht er selbst für Berlins Neue Nationalgalerie keine Ausnahme.

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