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Auktion

Sotheby’s versteigert Teile der Sammlung Lenz

Die Auktion könnte ein Coup werden – wenn alles nach Plan läuft.
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Was sind schon fünfzig Bilder, wenn man die größte und schönste Sammlung von Zero-Kunst besitzt – jener deutschen Avantgarde der Nachkriegszeit, die sich mit Nägeln, Silberfolie, Rauch und Kinetik ganz neue Bildwelten erschloss? Nicht viel, könnte man meinen: Gerhard und Anna Lenz haben auch nach dem Verkauf dieser 50 das Haus noch voller Kunst. Doch die Sammlung mit ihren rund 600 Werken war nie zur Spekulation gedacht, und wer kürzlich die Wanderschau des verkäuflichen Teils in der Temporären Kunsthalle Berlin gesehen hat, der glaubt dem Sammlerpaar sofort, dass dies eine Trennung „unter Tränen“ ist: So gut pflegt manches Museum seine Schätze von Günther Uecker, Otto Piene, Heinz Mack oder Christian Megert nicht.

Weshalb also trennt sich der Bremer Unternehmer am morgigen Mittwoch von Teilen seiner Sammlung? Und warum trumpft Sotheby’s damit ausgerechnet in London auf, wo die deutschen Künstler nicht unbedingt zu den Stars des Auktionsmarktes zählen? Man wolle die beiden erwachsenen Söhne nicht mit einer fixen Auswahl überfrachten, die von der nächsten Generation vielleicht ganz anders beurteilt werde, antwortet Lenz. Und weil er die Last der Entscheidung, was in die Auktion geht, hat er die Auswahl zusammen mit Sotheby’s getroffen.

Die Auktion könnte ein Coup werden – wenn alles nach Plan läuft. Denn die Experten für Zeitgenössische Kunst aus dem Haus wissen, wie sehr der darbende Markt nach neuer, frischer Ware sucht. Die exzellenten Stücke der Sammlung Lenz Schönberg wurden teils noch nie ein zweites Mal veräußert, entsprechend realistisch sind die Taxen: Sie beginnen mit 7000 bis 9000 Pfund für ein fragmentiertes Spiegelobjekt von Christian Megert, liegen bei unteren 25 000 Pfund für ein unbetiteltes Lamellen-Relief von Heinz Mack von 1961 und setzen für eine frühe Nagelarbeit von Günther Uecker bis zu 150 000 Pfund an.

Solche Preise machen Appetit. Angeheizt wird die Auktion jedoch durch jene Spitzenwerke von Yves Klein oder Lucio Fontana, die das Auktionshaus dem Sammler ebenfalls entlocken konnte. Beides ergänzt sich perfekt, die Toplose garantieren Aufmerksamkeit und nobilitieren auch die übrigen Arbeiten. Spannend ist die Frage, wie der internationale Markt auf die Neupositionierung durch das Auktionshaus reagiert. Steigen die Preise und streiten die Sammler am Mittwochabend um die Werke, bekämen die Zero-Künstler ein neues Gewicht. Gewinnerin wäre auch die Sammlung Lenz: Ihr Teilverkauf ließe den Wert aller Arbeiten nach oben schießen. Christiane Meixner



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.02.2010)
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